Rezension: Stephen King - Das Mädchen

30.5.11

Titel: Das Mädchen
Autor: Stephen King
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: PAN (Februar 2011)
ISBN: 978-3-426-28356-1
Gebunden, 304 Seiten
Preis: 14,99 €
Leseprobe

Ich habe keine Angst.
Überhaupt keine Angst.
Der Wanderweg ist gleich dort vorn.
Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen...
Um zehn Uhr sitzt Trisha noch im Auto ihrer Mutter. Um halb elf hat sie sich im Wald verirrt. Um elf Uhr versucht sie, sich nicht zu fürchten. Nicht daran zu denken, dass Leute, die sich verirren, vielleicht nie mehr zurückkehren.
Hunger und Durst, Mücken und wilde Tiere, Einsamkeit und Dunkelheit - Trisha hat dem Grauen der Wälder wenig entgegenzusetzen. Und vor allem nicht dem, was sich aufgemacht hat, sie heimzusuchen...
Zum Autor:
Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten; sein erster Romanerfolg, Carrie, erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit mehr als 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft.

Rezension:
Die 9-jährige Trisha McFarland ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder unterwegs auf einem samstäglichen Ausflug. Seit ihre Eltern geschieden sind, sind diese Ausflüge für ihre Mutter zu einer Art Ritual geworden, doch meist enden diese im Streit zwischen ihr und ihrem Sohn. Diesmal geht es zum Wandern in ein Waldgebiet und schon bald geht die Zankerei zwischen Quilla und Pete wieder los.

Als Trisha merkt, dass sie muss, sagt sie den beiden zwar Bescheid, doch keiner hört sie. Daraufhin biegt sie in einen etwas abgelegenen Pfad ein, um ungestört zu sein in der Annahme, Mutter und Bruder gleich wieder einzuholen. Doch daraus wird nichts: Trisha nimmt den falschen Weg und schon bald muss sie feststellen, dass sie sich in diesem unübersichtlichen Waldgebiet verlaufen hat...

Bei "Das Mädchen" handelt es sich nicht um einen neuen King, vielmehr ist es eine Neuauflage, die bereits im Jahr 2000 im Schneekluth Verlag erschienen ist und das ich damals bereits gelesen hatte. Trotzdem bin ich selbst nach 11 Jahren noch sehr begeistert von dieser Geschichte, denn es ist kein typisches Stephen King-Buch, das vor Blut strotzt, sondern ein Buch der leisen Töne, das perfekt mit ureigenen Ängsten spielt, aber ohne Gewaltszenen auskommt.

In die Protagonistin Trisha kann man sich als Leser sehr gut hineinversetzen. Ihre Ängste, nicht mehr aus dem Waldgebiet herauszufinden, sind authentisch geschildert. Man leidet mit ihr mit, wenn sie von Wespen mit Stichen übersät wird, sodass sie kaum noch aus den zugeschwollenen Augen schauen kann, wenn sie sich auf die Suche nach Essbarem macht, weil ihr Proviant zur Neige geht und Trost in den allabendlichen Baseballspielen findet, die sie mutterseelenallein in der Nacht über ihren Walkman hört. Ist sie zu Beginn noch das 9-jährige Mädchen, lässt sie diese Situation immer mehr reifen und man meint es zum Ende hin mit einer fast erwachsenen Trisha zu tun zu haben.

Obwohl nicht unbedingt sehr viel passiert, fesselt "Das Mädchen" von Anfang bis Ende. Denn Stephen King weiß einfach, wie man den Leser bei der Stange hält. Nur mit Worten werden vom Autor Urängste geweckt, Trishas Weg, ihre Erlebnisse, ihre Angst so detailliert geschildert, als ob man selbst mit ihr unterwegs wäre und es bleibt nichts anderes übrig, als mit ihr mitzuzittern und zu leiden. "Das Mädchen" wird aus der neutralen Sicht in Vergangenheitsform erzählt und ist in eine Vor- und Nachgeschichte, neun Durchgänge und einem Nachwort des Autors unterteilt.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover, vorwiegend in einem dunklen Türkiston gehalten, wurde in 3-D-Optik gestaltet. Wenn man es bewegt, wird das darauf abgebildete Mädchen größer und kleiner und es erscheinen stechend gelbe Augen am unteren rechten Rand. Auch der abgebildete Wald verändert sich von hell (Tageslicht) in dunkel (Nacht). Eine wirklich tolle Gestaltung!

Fazit: "Das Mädchen" besticht durch eine Geschichte, die versteht, eine Gänsehaut zu erzeugen, jedoch auf jegliche Gewaltszenen verzichtet. Ein untypischer King, der allerdings zu fesseln weiß.

3 Kommentare

  1. Huhu,

    mir hat "das Mädchen" damals auch sehr gut gefallen. Evt. wäre von King auch "das Bild" Rose Madder etwas für Dich?
    LG ELa

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  2. @Ela: Das kenne ich auch schon, habe ich auch vor einigen Jahren gelesen, wie so ziemlich alles von King (außer der Dunkle Turm-Saga und die etwas abgedrehteren wie Liberator, mit denen konnte ich thematisch gar nichts anfangen) ;)

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  3. Ah Okay, mir gehts ähnlich.
    Konnte mit der Turmsaga, Arena, Love und wahn nicht wirklich viel anfangen :O(

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