Ivonne Keller - Lügentanz

23.2.15

Titel: Lügentanz
Autorin: Ivonne Keller
Genre: Zeitgenössisches
Verlag: Knaur eBook (15.12.2014)
ASIN: B00MKJNENO (eBook)
Preis: 9,99 €
Papierformat: Taschenbuch für 9,99 €
Bezugsquelle: Kauf
Bonus: Leseprobe

Kurzbeschreibung:
„Liebst du mich noch?“ Als Michaela Michalsen ihrem Mann David diese Frage stellt, rechnet sie nicht mit einem „Nein“. Oder gar damit, dass er sich von ihr trennen will. Liegt es am Schock über seine Antwort, dass ihr die Erinnerung an ein wichtiges Telefonat fehlt, bei dem es um ihre eigene Tochter ging? Oder kehren die Aussetzer zurück, die sie schon vor zwölf Jahren im Griff hatten? Spielt ihr Mann ein falsches Spiel? Will er sie loswerden? In den Wahnsinn treiben? *Quelle*

Zur Autorin:
Seit ihrer Kindheit liebt Ivonne Keller das Spiel mit der Sprache. Aufgewachsen in einem hessischen Dorf, begeisterte sie sich bereits in der Schule für englischsprachige Literatur und lernte später während eines Auslandsstudiums im andalusischen Granada Spanisch. Die Faszination für Sprache, gekoppelt mit dem Interesse für alles Menschliche, führte sie neben ihrer früheren Tätigkeit als Personalerin zum Schreiben. Dabei interessiert es sie besonders, was mit Menschen passiert, die kurz davor sind, auszuflippen. Wenn das Leben so anstrengend wird, dass die Fassade bröckelt und man auf das schauen kann, was dahinter liegt. Meist sind Frauen ihre Hauptfiguren - so wie in ihrem ersten Roman Hirngespenster. Sie lebt mit ihrem Mann, drei Söhnen und einer bunten Katze in der Nähe von Frankfurt am Main.

Meinung:
Die Mittdreißigerin Michaela Michalsen lebt mit ihrem Mann David und ihrer Tochter Karla in einem kleinen Ort zwischen Frankfurt und Bad Homburg. An ihrem Geburtstag gerät jedoch ihre kleine Welt ins Wanken: Ihr Mann sagt ihr, dass er sie nicht mehr liebt und sie verlassen will. Doch später streitet er seine Aussage ab. Michaela kann sich auch an ein geführtes Telefonat mit der Lehrerin ihrer Tochter nicht mehr erinnern und so meint sie, Gedächtnisaussetzer zu haben, die bereits viele Jahre zuvor schon einmal bei ihr aufgetreten sind.

Um sich über ihre Gefühle und auch ihrer Gesundheit im Klaren zu werden, meldet sich Michaela auf eine Annonce, in der eine Haus- und Hundesitterin für mehrere Monate gesucht wird. Sie setzt sich beim Vorstellungsgespräch gegenüber der jungen Lena durch, die aus Berlin angereist ist und ebenso versucht, ihrem Leben neue Strukturen zu geben. Die beiden freunden sich jedoch an und schon bald wird klar, dass in Michaelas Familie nicht alles mit rechten Dingen zugeht und ihre Freundin aus Kindertagen, Bea, damit etwas zu tun zu haben scheint.

Von der Kurzbeschreibung her mag Lügentanz an einen Thriller erinnern, doch hier trifft eher die Bezeichnung abgründige Familiengeschichte zu. Ivonne Keller konnte mich bereits mit ihrem psychologisch-tiefgründigen Erstlingswerk Hirngespenster begeistern, daher war ich auf ihren nächsten Roman mehr als gespannt. Lügentanz ist gelungen, doch kommt meiner Meinung nach nicht ganz an ihr Debüt heran, da man als Leser schon sehr früh in die richtige Richtung gelenkt wird und mir der Überraschungsmoment fehlte.

Hauptaugenmerk liegt auf Michaela, bei der der Leser nie sicher ist, ob sie sich die ganzen Begebenheiten, die sie so verwirren, wirklich nur einbildet oder ob sie real stattfinden. Manchmal ist ihre Handlungsweise allerdings nicht so ganz nachvollziehbar, da sie einige Male recht kopflos handelt, ohne sich vorher Gedanken zu machen.

Die junge Lena hat mir als Charakter am besten gefallen. Sie macht eine spürbare Weiterentwicklung während der Handlung durch, die sie von der jungen Herumtreiberin, die auf der Straße lebt, zu einer verantwortungsvollen jungen Frau reifen lässt, die ihre eigenen Entscheidungen trifft und versucht, Michaela zu helfen und ihre eine wahre Freundin wird.

Die eingestreuten E-Mails von Bea an ihre beste Freundin Michaela tragen ebenfalls zur Spannung bei, ebenso die Vergangenheit Michaelas und Beas, die sich im Kinderheim kennenlernten und seitdem füreinander da sind. Das Ende mag ein wenig abrupt ausklingen, ist aber durchweg schlüssig. Ivonne Kellers locker und flüssig zu lesender Schreibstil kann ebenso punkten und lässt den Leser rasant durch die Seiten fliegen.

Fazit:
Mit Lügentanz ist Ivonne Keller ein abgründiger Familienroman gelungen, der vor allem durch seinen Hauptcharakter Lena punktet. Der Spannungsbogen bleibt kontinuierlich auf hohem Niveau, auch wenn mir die Lösung um Michaela und ihre Gedächtnisaussetzer ein wenig zu früh präsentiert wurde.

Wertung: ★★★★☆

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