Isolde Sammer - Die Stille nach dem Schrei

2.2.15

Titel: Die Stille nach dem Schrei
Autorin: Isolde Sammer
Genre: Thriller
Verlag: rororo (01.09.2010)
ISBN: 978-3-499-25370-6
Taschenbuch, 400 Seiten
Preis: 9,95 €
eBook: Kindle Edition für 9,99 €
Bezugsquelle: Kauf
Bonus: Leseprobe

Kurzbeschreibung:
Irenes Leben wird zum Albtraum, als ihr Sohn Jonas gewaltsam ums Leben kommt. Der Täter: ihr neunzehnjähriger Stiefsohn Martin. Die Tat: im Affekt. Angeblich wurde Martin Zeuge, wie Jonas einen kleinen Jungen ermordete. Zudem behauptet er plötzlich, von seinem eigenen Vater missbraucht worden zu sein. Das Gericht spricht Martin frei, doch Irene zweifelt. An Martins Aussage. Und an ihren eigenen Erinnerungen. Sie will die Wahrheit herausfinden, um jeden Preis. Erst recht, als Martin die Abiturientin Tina in seinen Bann zieht. Denn Irene ahnt, wozu ihr Stiefsohn fähig ist... *Quelle*

Zur Autorin:
Isolde Sammer arbeitet seit Jahren erfolgreich als Drehbuchautorin, u. a. für Tatort, Bella Block, Die Kommissarin, Eurocops, Ein Fall für zwei und Der Fahnder. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Hamburg.

Meinung:
Der 19-jährige Martin Werneck soll seinen 14-jährigen Stiefbruder Jonas im Affekt getötet haben. Vor Gericht behauptet er, dies getan zu haben, weil er beobachtet hat, wie sich Jonas an einem Kind vergangen habe. Alle glauben ihm, nur seine Stiefmutter Irene stellt sich gegen ihn. Denn sie kann nicht fassen, dass Jonas zu so einer Tat imstande gewesen wäre und auch ihr toter Mann Joachim wird von seinem Sohn belastet.

Als Martin wieder nach Hause zurückkehrt, setzt sich Irene heimlich mit dem damals ermittelnden Kommissar Hanno Schneider in Verbindung. Beide setzen alles daran, Martins Schuld zu beweisen. Der hat inzwischen in Tina Mahlbach eine Freundin gefunden, die ihm schon bald hörig ist und alles für ihn tun würde...

Die Stille nach dem Schrei konnte mich durchweg begeistern, auch wenn schon zu Beginn an klar ist, dass Martin keineswegs das Unschuldslamm ist, als das er sich nach außen hin darstellt, sondern ein skrupelloser, eiskalter und auch psychopathischer Verbrecher.

Durch verschieden angelegte Handlungsstränge lernt der Leser die drei Hauptcharaktere sehr nah kennen: Martin, dessen Stiefmutter Irene und Freundin Tina.

Martin ist trotz seines Alters bereits ein abgebrühter und durchweg kranker Charakter. Er versteht es geschickt, Menschen zu manipulieren, um an sein Ziel zu kommen. Obwohl der Leser von Anfang an weiß, dass er nur schauspielert und seinen wahren Kern versteckt, tut dies der Spannung keinen Abbruch. Martin polarisiert durch sein Handeln, man empfindet beim Lesen Wut und Zorn, aber auch ein klein wenig Mitleid mit diesem zwiegespaltenen Charakter.

Der Handlungsstrang, der sich mit seiner Freundin Tina beschäftigt, ist in einer Art Briefform gehalten, den sie Hanno Schneider, dem damals ermittelnden Kommissar, zukommen lässt. Tina berichtet über das Kennenlernen von Martin in der Schule, bis sie ihn Jahre später wiedersieht und ihm vom ersten Zeitpunkt an hörig ist. Man möchte ihr als Leser gerne helfend zur Seite stehen, kann aber auch das ein oder andere Mal ein Kopfschütteln ob ihrer Handlungen nicht vermeiden. Das ihre Geschichte nicht gut ausgehen wird, ist schon bald klar.

Der dritte Handlungsstrang beschäftigt sich mit Martins Stiefmutter Irene, die von Beginn an an Martins Unschuld zweifelt. Sie will mit allen Mitteln Licht ins Dunkel bringen und setzt alles daran, Martin zu entlarven. Ihre Hartnäckigkeit beeindruckt und man fiebert als Leser mit, ob sie ihr Ziel erreichen wird.

Durch die sich abwechselnden Handlungsstränge bleibt die Spannung von Anfang bis Ende erhalten und Isolde Sammer versteht es, eine düstere Grundstimmung zu erzeugen, die auf blutige Szenen verzichtet sondern sich vielmehr mit dem Gefühlsleben der einzelnen Protagonisten auseinander setzt. Wer allerdings mit dem Thema Pädophilie nicht umgehen kann, sollte das Buch nicht lesen.

Fazit:
Die Stille nach dem Schrei ist ein Psychothriller, der sich dem Thema Pädophilie verschrieben hat und mit gut charakterisierten Protagonisten aufwartet. Auch wenn von Beginn an klar ist, dass Martin kein normaler junger Mann ist, bleibt die Spannung hoch und auch der emotionale Aspekt kommt nicht zu kurz.

Wertung: ★★★★☆


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