Gillian Flynn - Finstere Orte

27.1.15

Titel: Finstere Orte
Originaltitel: Dark Places
Autorin: Gillian Flynn
Übersetzung: Christine Strüh
Genre: Thriller
Verlag: Fischer Scherz (19.02.2010)
ISBN: 978-3-502-10095-9
Gebundene Ausgabe, 528 Seiten
Preis: 16,95 €
eBook: Kindle Edition für 9,99 €
Bezugsquelle: Kauf
Bonus: Leseprobe

Kurzbeschreibung:
Sie war sieben, als die Schüsse fielen. Als sie in die kalte Nacht hinauslief und sich versteckte. Als ihre Mutter und ihre beiden Schwestern umgebracht wurden. Als ihre Zeugenaussage ihren Bruder hinter Gitter brachte. Jetzt, 25 Jahre später, ist aus Libby Day eine verbitterte, einsame Frau geworden, deren Leben eigentlich keines mehr ist. Doch inzwischen gibt es Leute, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals. *Quelle*

Zur Autorin:
Gillian Flynn wuchs in Kansas City auf. Sie arbeitete als Journalistin für den San Francisco Examiner und U.S. News & World Report und war die leitende TV-Kritikerin von Entertainment Weekly. Die Autorin lebt nach Stationen in Los Angeles und New York heute in Chicago.

Meinung:
1985: Die 7-jährige Libby Day muss mitansehen, wie ihre Mutter Patty und ihre beiden Schwestern Michelle und Debby grausam ermordet werden. Als Täter benennt sie ihren 15-jährigen Bruder Ben. Er war anscheinend Mitglied in einer Satanisten-Sekte, die Tiere geopfert hat und soll Drogen konsumiert haben. Bis heute ist Libby nie so ganz über diese Vorkommnisse hinweg gekommen und hält Ben immer noch für schuldig. Doch nun ist der Spendenfonds, der damals für sie als einzige Überlebende des Massakers eingerichtet wurde, so gut wie aufgebraucht und Libby weiß nicht, wie sie ihr Leben finanzieren soll, da sie nie arbeiten gegangen ist und keine Ausbildung hat.

Da kommt ihr Lyle Wirth gerade richtig: Er ist Mitglied des "Kill Club", einem Verein von Kriminal-Fans, die von Bens Unschuld überzeugt sind und ihr viel Geld dafür bieten, den Fall eigenständig nochmals aufzurollen. Libby macht sich auf die Suche nach damaligen Freunden und Bekannten, spricht auch mit ihrem Bruder Ben im Gefängnis. Und ganz langsam kommen ihr Zweifel an seiner Schuld...

Finstere Orte konnte mich von Anfang bis Ende stark begeistern. War Gone Girl im letzten Jahr für mich eine eher mäßige Lektüre, konnte mich Gillian Flynn mit ihrem Roman-Vorgänger durchweg vereinnahmen und in Atem halten.

Libby Day ist der Hauptcharakter des Buches. Sie kommt anfangs sehr unsympathisch daher, ist labil, hat so gut wie mit ihrem Leben abgeschlossen, ist sehr sarkastisch und auch ein wenig weltfremd. Ihre Vergangenheit hat sie nicht richtig verarbeitet und verdrängt sie, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.

Die Geschichte selbst wird abwechselnd in verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen erzählt. Da wäre einmal Libbys Sicht in der Gegenwart und die ihrer Mutter Patty und ihres Bruders Ben in der Vergangenheit, am Vortag und Tag des Massakers.

Bis zum Schluss ist der Leser nicht sicher, ob Ben nun die furchtbare Tat begangen hat oder nicht, denn Gillian Flynn versteht es, ihn auf der einen Seite als unschuldig wirken zu lassen, aber auf der anderen Seite auch wiederum nicht. Denn der Umgang, den er zur damaligen Zeit pflegte, war nicht der beste. Seine zweifelhaften Freunde Trey und Diondra, die ihn geschickt manipulieren, wirken sich sehr negativ auf Ben aus. Aber auch Bens Vater, ein immer in Geldschwierigkeiten steckender Alkoholiker, der die Familie verlassen hat, wirkt verdächtig.

Am Ende steht eine glaubhafte Lösung, mit der ich so nicht gerechnet hätte und tragisch ist. Doch vorher wird der Leser mit einer Familiengeschichte konfrontiert, die alles andere als eine heile Welt im beschaulich-ländlichen Kansas ist, die sich rasant lesen lässt und auch Mitleid erzeugt.

Fazit:
Finstere Orte ist in diesem Monat schon jetzt mein Lesehighlight! Tiefgehende Charaktere, die Mitleid aber auch Antipathie erzeugen und eine tragische Familiengeschichte, die in grausamen Morden mündet, halten den Leser von Anfang bis Ende in Atem. Unbedingte Leseempfehlung!

Wertung: ★★★★★

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