David Safier - 28 Tage lang

29.4.14

Titel: 28 Tage lang
Autor: David Safier
Genre: Zeitgenössisches
Verlag: Rowohlt E-Book (14.03.2014)
ASIN: B00H07CAA4 (eBook)
Preis: 9,99 €
Papierformat: Taschenbuch für 9,99 €
Bezugsquelle: Kauf
Bonus: Leseprobe

Kurzbeschreibung:
1943. Mira bringt sich und ihre kleine Schwester Hannah durch den harten Warschauer Ghetto-Alltag, indem sie unter Einsatz ihres Lebens Essen schmuggelt. Doch jetzt soll die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden. Mira schließt sich dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage lang.
28 Tage, in denen Mira sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört: Amos, der noch möglichst viele Nazis mit in den Tod nehmen will, oder Daniel, der sich um die Waisen in den Bunkern kümmert.
28 Tage, in denen sie sich immer wieder der Frage stellen muss: Was für ein Mensch willst du sein? *Quelle*

Zum Autor:
David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der letzten Jahre. Seine Romane "Mieses Karma", "Jesus liebt mich", "Plötzlich Shakespeare", "Happy Family" und "Muh" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Als Drehbuchautor wurde David Safier für seine TV-Serie "Berlin, Berlin" mit dem Grimme-Preis sowie dem International Emmy (dem amerikanischen Fernseh-Oscar) ausgezeichnet. Sein neues Buch "28 Tage lang" zeigt eine ganz neue Seite des Autors. David Safier lebt und arbeitet in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

Meinung:
Die 16-jährige Mira Weiss lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Nach dem Selbstmord des Vaters und der Missachtung durch ihren Bruder Simon, der sich als Judenpolizist durchschlägt, muss sich Mira allein um beide kümmern, da die Mutter seit dem Tod des Vaters mehr und mehr apathisch vor sich hinvegetiert. Sie verdingt sich als Schmugglerin, um ihre Familie am Leben zu erhalten.

Als es jedoch zu den ersten Deportationen der Juden kommt, sieht sich Mira großer Gefahr gegenüber. Ein traumatisches Ereignis lässt sie von der kleinen Schmugglerin zu einer Kämpferin werden, die sich dem Widerstand anschließt und sie zu einem anderen Menschen werden lässt...

David Safier war mir bisher nur vom Hörensagen bekannt, da seine humorigen Werke mich thematisch nicht wirklich angesprochen haben. Doch mit seinem neuesten Roman und dessen Thema machte er mich neugierig.

Mit 28 Tage lang widmet sich David Safier dem historischen Thema des Warschauer Ghettos, das Mitte 1940 von den Nationalsozialisten für polnische und deutsche Juden errichtet wurde. Hierher verlegt der Autor seine Geschichte um die 16-jährige Mira Weiss, die als Schmugglerin ihre restliche Familie bestehend aus ihrer Schwester und ihrer Mutter durchbringt und mit Daniel zusammen ist, der im Waisenhaus von Janusz Korczak aushilft.

Doch Mira bleibt nicht die kleine Schmugglerin, die jedes Mal Angst davor hat, heimlich auf die polnische Seite zu gehen, um von dort unerkannt Lebensmittel ins Ghetto zu bringen. Ein traumatisches und einschneidendes Erlebnis lässt sie auf die Seite der Widerstandskämpfer um Mordechaj Anielewicz wechseln und schon bald sieht sich diese Gruppe im direkten bewaffneten Kampf gegen die Deutschen wider, der genau 28 Tage dauern soll. Ein auswegloser Kampf wie es scheint, doch in ihrer Verzweiflung wachsen Mira und ihre Kameraden aus sich hinaus.

David Safier hat mit seinem neuen Roman ein wunderbares Werk geschaffen. Gekonnt und eindrucksvoll gelingt es ihm, die Stimmung und die Charaktere einzufangen ohne moralisieren zu wollen. Trotzdem wird aber auch eine zentrale Frage in den Raum geworfen: Was für ein Mensch willst du sein? Was ist richtig, falsch, gut oder böse in solch einer Ausnahmesituation?

Die Hauptpersonen wie Mira sind rein fiktiv, doch lässt David Safier auch historisch belegte Figuren mit in die Handlung einfließen, wie z.B. Adam Czerniaków, der Vorsitzender des Judenrats im Ghetto war, Mordechaj Anielewicz, den jungen jüdischen Widerstandskämpfer oder auch Janusz Korczak, einen Pädagogen, der im Ghetto ein Waisenhaus leitete.

Trotz des schweren traurigen Themas konnte mich David Safier mit seinem Buch begeistern und beeindrucken, wie es schon Markus Zusak mit Die Bücherdiebin tat. Er findet eine gute Balance zwischen dem Bedrohlichen aber auch heiteren kleinen Momentaufnahmen und kann das alltägliche Leben und Überleben im Ghetto glaubhaft und gut recherchiert vermitteln. Ich kann 28 Tage lang nur jedem an diesem Thema interessierten Leser wärmstens weiterempfehlen. Ein wirklich beeindruckendes Leseerlebnis!

Fazit:
Ein Roman, der sich mit einem Thema beschäftigt, das nie in Vergessenheit geraten darf, zum Nachdenken anregt, aber auch heitere Momente besitzt - absolute Leseempfehlung!

Wertung: ★★★★★

1 Kommentare

  1. Hallo Kerstin!
    Oh wie schön, dass dich das Buch genauso begeistern konnte wie mich! Für mich war es bisher das absolute Lesehighlight dieses Jahres und ich hoffe, Safier schreibt weiterhin über ernste Themen, denn anscheinend liegt ihm das ;-). Auf alle Fälle würde ich dann zum Safier-Fan werden.
    Dir einen schönen neuen Lesemonat und liebe Grüße, Iris

    AntwortenLöschen

Beliebte Beiträge