Rezension: Gabi Neumayer - Als die Welt zum Stillstand kam

4.10.12

Titel: Als die Welt zum Stillstand kam
Autorin: Gabi Neumayer
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: Beltz & Gelberg (13.08.2012)
ISBN: 978-3-407-81120-2
Gebunden, 450 Seiten
Preis: 16,95 €
eBook: Kindle Edition für 7,99 €
Bezugsquelle: Beltz & Gelberg
Bonus: Leseprobe

Kurzbeschreibung:
Unsere Urgroßeltern wissen noch genau, was sie am 22. November 1963 taten, als sie die Nachricht vom Tod John F. Kennedys hörten. Unsere Großeltern sind die Bilder der brennenden Türme des World Trade Center vom 11. September 2001 unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt. Und wir können nicht vergessen, was geschah, als am 14. Juli 2036 das Tornetz ausfiel und unsere Welt auseinanderbrach wie ein gigantischer Eisberg. Aber anders als bei allen Katastrophen zuvor wusste diesmal niemand, wie groß der Schaden wirklich war. Denn es gab keine außenstehenden Betrachter. Jeder einzelne Mensch auf der Welt war betroffen.

Zur Autorin:
Gabi Neumayer, geboren 1962, lebt in Bergheim bei Köln und ist Autorin, Lektorin und Chefredakteurin des Autorennewsletters The Tempest. Sie hat bereits viele Kinderbücher veröffentlicht, unter anderem Science-Fiction-Geschichten, englische Lernkrimis, Bilderbücher und Sachbücher. Als die Welt zum Stillstand kam ist ihr erster Jugendroman.

Rezension:
Die Welt im Jahr 2036: Die Freunde Celie, Bernie und Alex genießen den Luxus, sich an alle erdenklichen Orte auf der Welt zu beamen. Dank des Tornetzes, einer Erfindung von Celies Eltern Jenna und Felix im Jahr 2021, kann jedermann einmal kurz am anderen Ende der Welt seine Mittagspause genießen, einkaufen oder Essen gehen.

Doch plötzlich fällt das gesamte Tornetz aus und somit auch die Strom- und Wasserzufuhr und Internetverbindungen, die ebenfalls über die Tore gespeist wurden. Auf einmal steht die Welt Kopf und die drei Freunde sind mittendrin, doch jeder an einem anderen Punkt der Erde. Werden sie herausfinden können, was es mit dem Ausfall der Tore und auch dem mysteriösen Tod von Celies Mutter auf sich hat? Und wie wird es auf der Welt weitergehen?

Gabi Neumayer hat sich mit Als die Welt zum Stillstand kam an eine Dystopie gewagt, die sich in keinster Weise vor anderen Büchern dieses Genres verstecken muss. Ganz im Gegenteil! Ich empfand den Roman beim Lesen als weitaus vielschichtiger und tiefergehend als so manch anderes Buch dieser Rubrik, von denen ich nun schon einige gelesen habe.

Die drei Hauptcharaktere Celie, Bernie und Alex sind sehr unterschiedlich. Ihre jeweiligen Perspektiven werden von Gabi Neumayer detailliert erzählt, so dass beim Lesen keinerlei Langeweile aufkommt. Auch kommt die verstorbene Mutter Celies, Jenna, anhand ihrer Tagebucheintragungen öfter zu Wort und somit erhält der Leser Einblick in die Entstehung des Tornetzes.

Celie war mir anfangs etwas unsympathisch durch ihre reservierte Art, doch legte sich das schnell, da sie dafür einen guten Grund hatte. Da sie in einer Mobilen-Kommune Unterschlupf gefunden hat, die sich von Beginn an gegen das Tornetz aussprach, möchte sie hier unerkannt bleiben, lebt unter falschem Namen und will nicht zuviel Nähe zu fremden Personen aufbauen.

Bernie und Alex sind zwei Jugendliche, die Sympathie erwecken. Alex ist immer hilfsbereit, nicht nur in seinem Beruf als Pfleger in einer Klinik. Bernie ist der Technikfreak, der sich für alles Elektronische zu begeistern weiß und hierfür einiges an Talent aufzubieten hat.

Sehr spannend empfand ich die abwechselnde Schilderung aus allen drei Perspektiven, hin und wieder unterbrochen von Jennas Tagebucheinträgen und anderen Geschehnissen auf der Welt. Dass es nach dem Ausfall der Tornetze zu Gewalt unter den Menschen kommt ist klar, es kommen hier einige Szenen im Buch vor, die recht happig sind, aber nie zu detailliert beschrieben wurden, so dass die jugendliche Zielgruppe damit gut zurechtkommt.

Gabi Neumayer versteht es in ihrem Roman sehr gut, diese Zukunftswelt zu schildern und authentisch wirken zu lassen. Ich konnte mir beim Lesen wirklich lebhaft vorstellen, wie es in dieser beschriebenen Zukunft zugehen muss und hoffe nicht, dass so etwas jemals eintreten wird. Denn so schön, wie sich die Erfindung des Tornetzes anhört, umso abhängiger wird der Mensch doch von Maschinen.

Und dieser Umstand, der bereits heute schon leichte Anzeichen anhand mancher Abhängigkeit zum Internet oder Handy bereits bei einigen Menschen gang und gäbe ist, macht diese Zukunftsvision noch einen Tick glaubhafter, was mich doch schon etwas schaudern lässt.

Ich kann Als die Welt zum Stillstand kam nur wärmstens empfehlen an alle interessierten Leser von Dystopien und (erschreckenden) Zukunftsvisionen. Ein Buch, das man durchaus gelesen haben sollte, da es nicht nur durch Gewalt sondern eher durch leise und aufrüttelnde Töne zu überzeugen weiß. Ein anhängendes Glossar mit Schlagworten aus dem Roman und ein sehr interessantes Nachwort beweist, wie viel Gabi Neumayer an diesem Thema liegt.

Fazit: Als die Welt zum Stillstand kam bietet ein überzeugendes und erschreckendes Zukunftsszenario, das hoffentlich so nie eintreffen wird. Man merkt, dass Gabi Neumayer sehr viel Herzblut in ihren Roman hineingelegt und jede Menge fundierte Recherchen betrieben hat. Absolute Leseempfehlung!

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