Rezension: André Pilz - Die Lieder, das Töten

16.10.12

Titel: Die Lieder, das Töten
Autor: André Pilz
Genre: Belletristik, Zeitgenössisches
Verlag: Haymon (21.09.2012)
ISBN: 978-3-7099-7002-7
Gebunden, 424 Seiten
Preis: 19,90 €
eBook: Kindle Edition für 14,99 €
Bezugsquelle: Haymon

Kurzbeschreibung:
Nach einem Super-GAU mitten in einer deutschen Wohngegend wird ein riesiges Gebiet zur Sperrzone erklärt. Während die Bewohner evakuiert werden, versammeln sich zugleich Menschen, die in der „normalen" Welt nichts mehr zu verlieren haben, in einer verlassenen Stadt im Herzen der Sperrzone rund um ihren heimlichen Anführer Strasser. Ambros, der bei dem Reaktorunglück seine Freundin verloren hat, dringt im Auftrag der Regierung in die Sperrzone vor. Doch erliegt er selbst immer mehr der Faszination dieses Lebens jenseits aller Gesetze. Er beginnt eine Affäre, ausgerechnet mit jener Frau, die als die gefährlichste in der Zone gilt. So gerät Ambros immer weiter zwischen alle Fronten.

Zum Autor:
André Pilz, geboren 1972, lebt in München und Vorarlberg. Student, Gitarrist, Briefträger, Museumswärter und Flughafenarbeiter, seit 2007 freier Schriftsteller. Seine Romane No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz. Ein Skinhead-Roman (2005) und Man Down (2010) wurden dramatisiert und in Berlin und München uraufgeführt. Bei Haymon: Man Down. Roman (2010) und Bataillon d’Amour. Eine Geschichte von Liebe und Gewalt (HAYMONtb 2010).

Rezension:
Deutschland in naher Zukunft: Der befürchtete Super-GAU ist eingetreten, ein Atomkraftwerk explodiert, das roten Regen und Verstrahlung bringt. Ambros, der während des Unglücks mittendrin war, lebt seitdem in der Sperrzone, dort, wo unmittelbar der GAU passierte. Auf Befehl von oben soll er Strasser finden, den brutalen Anführer der Überlebenden in der Zone.

Doch Ambros findet Gefallen am Leben in der Sperrzone. Er, der selbst nichts mehr zu verlieren hat, da seine Freundin Mona bei dem Unglück ums Leben kam und er selbst ebenso verstrahlt ist, empfindet die Gesetzlosigkeit und Vogelfreiheit als faszinierend und verliebt sich dazu noch in eine sehr gefährliche Frau...

Mit Die Lieder, das Töten legt André Pilz ein Zukunftsszenario vor, das in seinen Worten knallhart und ohne jedwede Beschönigung daherkommt. Nach dem Super-GAU, der Explosion eines Atomkraftwerks, scheint das Leben völlig sinn- und zwecklos geworden zu sein. Jeder der Überlebenden, die im Roman vorkommen, haben ihr Päckchen zu tragen, sie sind teilweise mutlos, sarkastisch, hart und rücksichtslos geworden und am Ende doch zu bedauern.

Das Bedrückendste an dem Buch ist, dass man sich nach der Fukushima-Katastrophe dieses Szenario auch wirklich vor Augen führen kann, man sich ausmalt, dass es real so weit kommen könnte.

Die Hauptfigur Ambros und auch die Nebendarsteller sind allesamt authentisch. Ihre Sprache und auch der ganze Roman strotzen nur so vor klaren, kurzen und auch öfter mal rauhen und obszönen Sätzen, die man wirken lassen muss, die aber anhand der Gegebenheiten in dieser neuen oder auch übriggebliebenen Welt durchaus nachvollziehbar und echt wirken. Ambros selbst plagen allerhand Selbstzweifel, er vermisst seine Freundin Mona und kann sich nicht wirklich entscheiden, auf welcher Seite er nun stehen will.

Wie es letztendlich ausgeht, ob Ambros Strasser aufspürt, ihn tötet oder sich gar mit ihm zusammentut, muss der Leser selbst herausfinden. Das Thema jedenfalls ist und bleibt leider aktuell und realitätsnah. André Pilz schafft es mit seinen direkten, klaren und manches Mal brutalen Worten, dass man nach Beenden des Buches sehr nachdenklich zurückbleibt.

Fazit: Mit Die Lieder, das Töten ist André Pilz ein aufrüttelndes Buch gelungen, das die grausame und brutale Welt nach einem atomaren Super-GAU aufzeigt. Der direkte Schreibstil dürfte nichts für jedermann sein, mich konnte der Autor damit jedoch sehr beeindrucken.

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