Rezension: Rachel Joyce - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

27.6.12


Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Autorin: Rachel Joyce
Genre: Belletristik, Zeitgenössisches
Verlag: Krüger (14.05.2012)
ISBN: 978-3-8105-1079-2
Gebunden, 384 Seiten
Preis: 18,99 €
eBook: Kindle Edition für 16,99 €
Bezugsquelle: Krüger
Leseprobe
Bonus: Videotrailer, Wanderkarte zur Pilgerreise, Facebookseite, Schnupper-App im App-Store

Eigentlich will Harold Fry nur einen Brief einwerfen an seine frühere Kollegin Queenie Hennessy, die im Sterben liegt. Doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und auch am Postamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter, 87 Tage, 1000 Kilometer. Zu Fuß von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss. Für Queenie. Für seine Frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst. Und für uns alle.
Zur Autorin:
Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Sprachen auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Gloucestershire auf dem Land.

Rezension:
Der Mittsechziger Harold Fry ist seit Kurzem Rentner, er arbeitete früher für eine Brauerei und seit er zuhause ist, weiß er nicht so richtig was mit sich anzufangen. Seine langjährige Ehe mit Maureen ist in ein Fahrwasser geraten, wo beide sich kaum noch etwas zu sagen haben und man mehr aneinander vorbei lebt. Eines Tages erreicht Harold ein Brief aus einem Hospiz an der Grenze zu Schottland. Der Absender ist Queenie Hennessy, eine ehemalige Kollegin, die Harold vor 20 Jahren aus den Augen verlor. Sie hat Krebs im Endstadium und die Ärzte geben ihr nicht mehr lange zu leben.

Harold ist sehr traurig über diese Nachricht und beschließt, ihr zu antworten. Doch als er sich auf den Weg zum nächsten Briefkasten macht, um seinen Brief einzuwerfen, ist er sich seiner Worte in seinem Antwortbrief nicht mehr sicher und läuft weiter. Und so beginnt die Pilgerreise des Harold Fry, der sich aufmacht, nach Berwick zu Queenie zu laufen, 1000 Kilometer, um sie zu retten...

Rachel Joyce ist mit ihrem Roman "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" eine sehr warmherzige, anrührende aber auch nachdenklich machende Geschichte gelungen. Zwar passiert nicht wirklich viel während Harolds Pilgerreise zu Queenie, doch das muss es auch gar nicht und wäre auch nicht Sinn und Zweck dieser Geschichte.

Harold ist ein sehr zurückhaltender Mann, der schüchtern und ohne aufzufallen durchs Leben geht. Er wird von seiner langjährigen Ehefrau Maureen eigentlich mehr geduldet als noch geliebt und die beiden verbindet eine Art Zweckgemeinschaft. Das einzige, was Maureen noch wirklich interessiert, ist ihr gemeinsamer Sohn David. Die Telefonate mit ihm und das ewige Warten auf einen Besuch von ihm bestimmen ihr sonst eher eintöniges Leben.

Als Harold sich auf seine Pilgerreise macht, reagiert Maureen anfangs zornig und kann seine Intension dazu, nämlich Queenie am Leben zu erhalten, in keinster Weise nachvollziehen. Doch schon bald muss sie feststellen, wie sehr er ihr fehlt. Sie öffnet sich nach einiger Zeit ihrem Nachbarn Rex und zu diesem Zeitpunkt wird Maureen dem Leser sympathischer.

Harold selbst hat einige Erlebnisse auf seiner Reise, die teils zum Nachdenken anregen, aber auch humorvoll sind. Er reflektiert während seines Weges seine Vergangenheit mit den Eltern, die ihn früh verlassen bzw. nicht geliebt haben, seine lange Ehe mit Maureen mit allen Höhen und Tiefen und auch sein Verhältnis zu David, seinem Sohn. Sehr gelungen empfand ich die Perspektivwechsel zwischen Harolds Erlebnissen auf seiner Reise und Maureens Gedanken zuhause.

Am Ende wird etwas offenbart, was Harolds und Maureens Auseinanderdriften in ihrer Beziehung und auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sehr schlüssig erklärt, was man zwar bereits vorher voraussehen kann, für mich aber eine Überraschung bereithielt. Auch das Zusammentreffen zwischen Harold und Queenie empfand ich als sehr berührend, vor allem wenn man sich schon einmal selbst in ähnlicher Lage befand, konnte man die Gefühle und Gedanken, die Harold da durch den Kopf gingen, sehr gut nachempfinden.

Mir hat "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" sehr gut gefallen. Es ist ein Buch der eher leisen Worte, die die eheliche Beziehung von Harold und Maureen und das Verhältnis zu ihrem Sohn David sehr in den Vordergrund rücken und die vermitteln, das es nie zu spät ist, an etwas zu glauben und das Glaube wirklich Berge versetzen kann.

Fazit: "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" besticht durch seinen Protagonisten, der so völlig normal und ohne großes Aufheben seine Reise zu Fuß bestreitet, die von Hoffnung, Glaube, Vergebung, Liebe und Krankheit schildert. Rachel Joyce hat mit ihrem Roman eine wunderbare Geschichte ersonnen, die von ihren leisen Worten lebt und den Leser zu berühren vermag.

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