Rezension: Maria Ernestam - Das verborgene Haus

30.5.12


Titel: Das verborgene Haus
Autorin: Maria Ernestam
Genre: Belletristik/Zeitgenössisches
Verlag: btb (09.04.2012)
ISBN: 978-3-442-74398-8
Taschenbuch, 384 Seiten
Preis: 9,99 €
eBook: Kindle Edition für 8,99 €
Bezugsquelle: btb
Leseprobe

Die Literaturdozentin Viola reist mit ihrem Mann Axel und ihren beiden Töchtern nach Südschweden ins Sommerhaus. Doch auf der Ferienidylle liegt ein Schatten: Axel, der erst vor Kurzem von einer schweren Krankheit genesen ist, verhält sich seltsam gereizt. Viola hat das Gefühl, dass er ihr etwas verschweigt. Sie sucht Zuflucht in der Begegnung mit der 90-jährigen Lea, die - einst Missionarin in China - Viola nach und nach ihre unglaubliche Familiengeschichte offenbart. Je näher sich die beiden Frauen kommen, desto weiter scheint sich Violas Mann von ihr zu entfernen. Bis etwas geschieht, das Viola vor eine schwere Entscheidung stellt...
Zur Autorin:
Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie arbeitete als Auslandskorrespondentin für schwedische Zeitungen in Deutschland und hat außerdem eine Ausbildung als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin absolviert. Für die "Röte der Jungfrau" erhielt sie vor Kurzem den Französischen Buchhändlerpreis. "Der geheime Brief" stand in Schweden monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste und war auch in Deutschland ein großer Erfolg.

Rezension:
Viola verbringt die Osterferien zusammen mit ihrem Mann Axel und den Töchtern Tora und Linn in einem Ferienhaus in Schonen. Axel erholt sich von einer schweren Krankheit und das Ferienhaus liegt praktischerweise in der Nähe des Pflegeheims, in dem seine Mutter, die an Demenz leidet, untergebracht ist. Bei einem Besuch bei der Schwiegermutter lernt Viola die 90-jährige Linnea, genannt Lea, kennen, eine charismatische Frau, die als Missionarin in Afrika und China tätig war.

Die beiden Frauen freunden sich miteinander an, und Lea leiht Viola ein Buch mit selbstgeschriebenen Geschichten, die sie von ihrer momentan sehr schwierigen Beziehung zu Axel ablenken. Doch die Beziehung wird jeden Tag mehr auf die Probe gestellt, bis Viola etwas erfährt, dass den restlichen Glauben an Axel und ihre Liebe zu ihm ins Wanken bringt...

Maria Ernestam ist mit "Das verborgene Haus" ein Roman gelungen, der sich zwar durch eine recht einfühlsame und liebevolle Schilderung hervorhebt, der aber auch einige Mankos vorweist, mit denen ich nicht so gut leben konnte.

Viola, die Protagonistin, hat sich durch die Krankheit ihres Mannes Axel sehr ins Negative verändert: Von der unabhängigen Literaturdozentin, die selbstbewusst durchs Leben geht, in ein fast duckmäuserisches, graues Mäuschen, das sich bei jeder kleinsten Kleinigkeit von ihrem Mann über den Mund fahren lässt, ohne Widerworte zu geben, was ich nicht so richtig nachvollziehen konnte.

Erst durch ihre aufkeimende Freundschaft mit der alten Lea gewinnt sie etwas von ihrem alten Selbst zurück, was auch durch das Buch mit den selbstgeschriebenen Geschichten von Lea beeinflusst wird, die sie meist für sich allein mitten in der Nacht liest.

Auch von ihren Töchtern, 16 und 14 Jahre alt, erfährt sie nicht viel Rückhalt. Diese sind mit ihrem eigenen Leben beschäftigt und scheuen die Konfrontation mit den Eltern, indem sie sich zurückziehen.

Violas Mann Axel war mir von Anfang an unsympathisch mit seiner cholerischen und weinerlichen Art. Auch wenn er sich von einer schweren Krankheit erholt, ist dies kein Grund, seinen Ärger darüber an seiner Frau auszulassen und sie und auch die Töchter in einer Tour herunterzumachen. Zwar erfährt der Leser später ein Geheimnis Axels, das er vor seiner Familie verbirgt und das wohl auch ein Grund seiner Handlungsweise ist, aber hat dies direkt nichts mit seinen Angehörigen zu tun und deshalb konnte ich mich in keinster Weise für ihn erwärmen.

Der interessanteste Charakter war auf jeden Fall Lea, die 90-jährige ehemalige Missionarin, von der ich aber sehr gerne noch mehr erfahren hätte, da sie die stärkste Person in der Geschichte war und durch kluge Lebensweisheiten brillierte. Leider erfährt man von ihrer Tätigkeit in Afrika und China nur am Rande mittels der Geschichten in dem Buch, das sie Viola leiht. Diese Kurzgeschichten werden von Maria Ernestam in die Handlung mittels eigenständiger Kapitel eingeflochten.

Auch den Titel "Das verborgene Haus" konnte ich nicht mit der eigentlichen Geschichte verknüpfen, da ein verborgenes Haus gar nicht vorkommt bzw. erwähnt wird. Marie Ernestam hat mit ihrem Roman eine Geschichte ersonnen, die zwar flüssig zu lesen ist, aber bei mir leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte, da die Charaktere in vieler Weise nicht nachvollziehbar handelten.

Fazit: "Das verborgene Haus" legt das Augenmerk leider nicht auf den interessantesten Charakter des Buches, sondern müht sich mit der schwierigen Beziehung des Ehepaars Viola und Axel ab, die sich gegenseitig das Leben mehr schwer als schön machen und oft für ihr Handeln bei mir kein Verständnis fanden.

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