Rezension: Edith Kneifl - Der Tod fährt Riesenrad

5.4.12

Titel: Der Tod fährt Riesenrad
Autorin: Edith Kneifl
Genre: Krimi (Historisch)
Verlag: Haymon (24.02.2012)
ISBN: 978-3-85218-878-2
Broschiert, 240 Seiten
Preis: 12,95 €
Bezugsquelle: Haymon

Wien um 1900. Die 15-jährige Leonie ist verschwunden. Alles deutet darauf hin, dass das Mädchen entführt wurde. Kurz darauf wird in einer Gondel des Riesenrades ein toter Zwerg entdeckt. Der Privatdetektiv Gustav von Karoly wird von Leonies Mutter mit den Ermittlungen beauftragt. Doch warum hält der adelige Großvater Leonies nichts von Karolys Bemühungen?
Zur Autorin:
Edith Kneifl, geboren 1954 in Wels, lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Bei Haymon zuletzt: Stadt der Schmerzen. Ein Florenz-Krimi (2011) und Zwischen zwei Nächten. Kriminalroman (HAYMONtb 2011).

Rezension:
Wien 1897: Gustav von Karoly ist seines Zeichens Privatdetektiv und erhält den Auftrag, die 15-jährige Leonie von Leiden zu finden, die spurlos verschwunden ist. Da das Mädchen nicht das erste Mal von zu Hause ausgerissen ist und sie sich damals im Prater versteckt hielt, tippt Gustav darauf, sie diesmal auch dort wiederzufinden.

Bei der Riesenraderöffnung im Prater wird dann auch noch in einer der Gondeln ein toter Zwerg namens Napoleon aufgefunden, der ein guter Freund Leonies war. Nun ist es an Gustav zu ermitteln, was und ob der Mord an Napoleon mit dem Verschwinden von Leonie zu tun hat, warum ihr Großvater sich gegen seine Tätigkeit ausspricht und so taucht er ein in die halbseidene Welt des Wiener Praters...

Edith Kneifl begibt sich mit ihrem historischen Kriminalroman "Der Tod fährt Riesenrad" ins Wien des endenden 19. Jahrhunderts. Gustav von Karoly, der Protagonist und Privatdetektiv, ist ein uneheliches Kind einer bereits verstorbenen prominenten Operettensängerin und eines Adligen, der bei seiner Mutter aufwuchs und vom Vater offiziell nicht anerkannt wurde. Dieser fördert ihn aber immer wieder heimlich, indem er ihm z.B. Klienten vermittelt.

So gelangt er auch an seinen aktuellen Fall, der verschwundenen Leonie von Leiden, deren Mutter ihn aufsucht und um Hilfe bei der Suche bittet. Gustav ist ein sympathischer Charakter, obwohl er auch einiges auf dem Kerbholz hat. Die Frauenwelt ist seine große Leidenschaft, was in der Handlung öfter mal durchscheint und sein Selbstbewusstsein ist ebenso ausgeprägt. Er lebt bei seiner Tante Vera, die sich stark für die Emanzipation der Frauen engagiert und sehr moderne Ansichten für eine Frau in dieser Zeit hat. Hilfe bei seinen Ermittlungen bekommt Gustav von seinem alten Freund Rudi, der als Oberkommissär bei der Polizei arbeitet.

Der Wiener Prater, der hier als Hauptschauplatz auftritt, befindet sich noch im Aufbau, das berühmte Riesenrad wird gerade eingeweiht und es treiben sich dort einige halbseidene Personen herum. Gerade in diesen Szenen wird deutlich, dass Edith Kneifl sehr gut recherchiert hat, denn sie führt dem Leser das Wien des späten 19. Jahrhunderts bildlich vor Augen, so als würde man selbst mit Gustav in der Droschke sitzen, sich von Schauplatz zu Schauplatz kutschieren lassen und mitermitteln.

Auch der Lokalkolorit kommt hier nicht zu kurz. Jeder Charakter hat gewisse Eigenarten, Ecken und Kanten. Mich würde es sehr freuen, zukünftig mehr über Gustav von Karoly lesen zu dürfen, denn an Fällen für ihn dürfte es bestimmt nicht mangeln. Der Fall um die verschwundene Leonie konnte mich gut unterhalten, auch wenn sich die Spannung meines Erachtens in Maßen hält und das Buch mehr durch seine unterschiedlichen Charaktere und die Atmosphäre Wiens zu Sisis Lebzeiten glänzt.

Fazit: "Der Tod fährt Riesenrad" ist ein unterhaltsamer historischer Kriminalroman mit einem sympathischen Protagonisten, der vor allem durch Atmosphäre, Lokalkolorit und die Charaktere zu überzeugen weiß. Über ein Wiedersehen mit Gustav von Karoly würde ich mich sehr freuen!

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