Rezension: Karla Schmidt - Die rote Halle

23.2.12

Titel: Die rote Halle
Autorin: Karla Schmidt
Genre: Thriller
Verlag: Piper (Januar 2012)
ISBN: 978-3-492-27294-0
Broschiert, 320 Seiten
Preis: 9,99 €
eBook: ePub für 8,49 €
Bezugsquelle: Piper
Leseprobe

Ein verlassener Flughafen, eine blutige Ballettinszenierung. Die brutal zugerichtete Leiche einer Tänzerin. Ein Junge, verschluckt von den endlosen unterirdischen Gängen. Und die grausame Botschaft an seine Mutter: Sie kann ihren Sohn nur retten, wenn sie selbst zur Täterin wird.
Zur Autorin:
Karla Schmidt, geboren 1974 in Göttingen, lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin, wo sie ein Kultur-, Theater- und Filmwissenschaftsstudium abschloss. In Rheinsberg hat sie an der Inszenierung von Opern- und Tanztheaterprojekten als Dramaturgin, Regieassistentin und Inspizientin mitgewirkt. Sie erhielt 2009 den "Deutschen Science Fiction Preis" für die beste Kurzgeschichte. Nach "Das Kind auf der Treppe" ist "Die rote Halle" ihr zweiter nervenzerreißend spannender Psychothriller.

Rezension:
Die Kostümbildnerin Janina Zöllner wird von ihrem ehemaligen Mentor Josef Rost nach Berlin gebeten, um dort an seiner neuen Ballettinszenierung "Reading Red Shoes" mitzuwirken. Begleitet wird sie von ihrem 15-jährigen Sohn Simon. Dort trifft sie zu ihrem Leidwesen auf ihre frühere Affäre, den Tänzer Dave Warschauer und ehemalige Kollegen, mit denen sie bereits 16 Jahre zuvor bei Rosts "Cenerentola"-Inszenierung zusammenarbeitete.

Die Inszenierung soll auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof stattfinden. Schon bald ist Simon auf mysteriöse Weise verschwunden und in den nicht enden wollenden und labyrinthartigen Gängen des Flughafens braut sich eine reale Inszenierung zusammen, die einem Albtraum gleichkommt...

Bereits Karla Schmidts Erstlingswerk "Das Kind auf der Treppe" konnte mich begeistern, obwohl es damals sehr konträre Meinungen dazu gab. Wer mit diesem Roman nichts anfangen konnte, dem wird wohl auch "Die rote Halle" nicht gefallen, denn Karla Schmidt bleibt ihrer drastischen und auf den Punkt gebrachten Schilderung treu.

"Die rote Halle" lässt keine noch so abstoßende Szene aus: Es kommen einige Themen zur Sprache, die recht hartgesotten sind. Von Pädophilie über Selbstverstümmelung bis hin zu Drogenmissbrauch und Unzucht mit Abhängigen ist hier alles vorhanden.

Gut gefallen hat mir die Protagonistin Janina, die für ihren Sohn im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle geht und nicht aufgibt, ihn wiederzufinden. Simon wird für sein Alter sehr erwachsen beschrieben, vor allem leidet man als Leser mit, als er sich in der Gewalt seines Entführers befindet.

DeeDee, die Komponistin von "Reading Red Shoes", ist wohl die am besten charakterisierte Person des Buches. Ihr Wahnsinn löst schockierende Lesemomente aus, aber man kann sich auch gleichzeitig nicht dem Gefühl entziehen, mit ihr mitzuleiden.

Der Schauplatz des stillgelegten Flughafens Tempelhof wird von Karla Schmidt als sehr bedrückend aber auch interessant dargestellt. Man findet sich selbst beim Lesen in diesen kargen, leeren Räumen wieder und wandert so sinnbildlich mit den Protagonisten mit durch die winkelartigen und irrgartenähnlichen Gänge.

Wer gerne richtig hartgesottene Thriller liest, in denen jegliche Gewalt in drastischen Worten und Taten nicht ausgespart wird, wird mit "Die rote Halle" gut bedient. Mir hat Karla Schmidts zweiter Thriller wieder gut gefallen und ich hoffe, in Zukunft noch mehr von der Autorin lesen zu dürfen.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover des Taschenbuchs zeigt die rote Halle, in der Josef Rosts Inszenierung stattfinden soll.

Fazit: "Die rote Halle" ist ein hartgesottener Thriller, der nicht für schwache Nerven bestimmt ist. In drastischer Sprache schildert Karla Schmidt die Geschichte, die den Leser in einen schockierenden Sog zieht.

6 Kommentare

  1. Huhu,
    mir hat die rote Halle auch sehr gut gefallen, wobei ich sie nicht so "krass" fand wie "das Kind auf der Treppe".
    Die Szenen bei diesem Thriller hier fand ich jetzt gar nicht so eklig oder hart, eher so wie bei anderen Thriller auch.
    Ich fand die rote Halle als einen richtig guten deutschen Thriller, der mich durchaus genauso begeistern konnte wie die von S. Fitzek, Katzenbach und co :O)
    LG Ela

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  2. @Ela: Da sind wir ja mal wieder einer Meinung ;) Ich finde es auch erfreulich, dass mit Karla Schmidt auch mal eine deutsche Autorin schafft, richtig gute Psychothriller zu schreiben :)

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  3. Ja das stimmt :O)
    Fallen dir denn noch mehr deutsche Thrillerautorinnen ein?
    LG Ela

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  4. Valentina Berger mit "Der Augenschneider" fällt mir noch ein, oder Petra Busch. Beide Autorinnen habe ich mit ihren Büchern auf meinem SuB. Hast du eventuell noch weitere Tipps?

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  5. Nee mir fällt ja keine mehr ein :O(
    Valentina Berger hab ich hier liegen, dass werd ich mir mal nach vorne legen :O)
    Monika Feth "Erbeerpflücker" schreibt ja glaube ich Jugendthriller?
    LG Ela

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  6. Da bin ich ja beruhigt, dass dir auch nicht mehr einfallen. Charlotte Link vielleicht, aber ihre Bücher sind ja nicht unbedingt (nur) Krimis. Monika Feth habe ich auch auf dem SuB :)

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