Rezension: Franz Kabelka - Jemand anders

9.1.12

Titel: Jemand anders
Autor: Franz Kabelka
Genre: Krimi
Verlag: Haymon (08.09.2011)
ISBN: 978-3-85218-694-8
Gebunden, 232 Seiten
Preis: 19,90 €
Bezugsquelle: Haymon

Edgar, ehemaliger Franziskanerpater und nunmehriger Fitnesscenterbetreiber, hat innerhalb kurzer Zeit gleich zwei tödliche Unfälle in seinem Studio zu beklagen. Die noch dazu in jenen drei Wochen passierten, an die er sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma nicht mehr erinnern kann. Erst allmählich beginnt er zu ahnen, dass des Rätsels Lösung an seiner früheren Wirkungsstätte, dem Konvikt Rosenkranz, zu suchen ist.
Zum Autor:
Franz Kabelka, geboren 1954 in Linz, lebt und arbeitet in Feldkirch. Er studierte Germanistik und Anglistik in Salzburg und veröffentlicht seit 1975 Lyrik, Kurzprosa, Essays sowie Theaterstücke in Literaturzeitschriften, Zeitungen und Anthologien. Bei Haymon erschien die Tone-Hagen-Trilogie: Heimkehr. Kriminalroman (2004), Letzte Herberge. Kriminalroman (2006), Dünne Haut. Kriminalroman (2008).

Rezension:
Edgar betreibt seit seiner Abkehr als Franziskanerpater ein Fitnessstudio, in dem binnen weniger Wochen zwei seiner Klienten zu Tode kommen. Doch ausgerechnet in dieser Zeit erleidet Edgar ein Schädel-Hirn-Trauma, das er sich aufgrund eines Unfalls bei einem Waldspaziergang zuzieht, und somit kann er sich an die Hergänge im Studio nicht mehr erinnern. Nur eines ist ihm klar: Die Unfälle müssen irgendetwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben.

Edgar war seinerzeit Franziskanerpater im Konvikt Rosenkranz und nannte sich Pater Fidelis. Zwar hat er mit dieser Zeit für immer abgeschlossen, doch reist er aufgrund der Vorfälle im Fitnessstudio dorthin. Und langsam aber sicher fügen sich einzelne Puzzleteile, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben scheinen, zu einem Großen und Ganzen zusammen, mit dem Edgar wohl nie gerechnet hätte...

Franz Kabelka kann durchaus mit seinem Aufbau der Geschichte um Edgar punkten. Jedes einzelne Kapitel spielt in einer anderen Zeit, was allerdings jeweils am Anfang gekennzeichnet wird, sodass man nicht zu sehr den Überblick verliert. Edgar ist der Hauptcharakter, um den sich alles dreht. Franz Kabelka widmet sich der Gegenwart, in der Edgar versucht, seine Erinnerungen wiederzuerlangen, schwenkt um in Edgars Vergangenheit als Pater Fidelis, wobei man als Leser sehr viel über seine Zeit im Konvikt erfährt.

Durchzogen werden diese Kapitel von protokollierten Tonbandaufnahmen, auf die man sich zu anfangs keinen wirklichen Reim machen kann, die sich aber im Nachhinein als recht wichtig in der Geschichte herausstellen. Auch lernt der Leser die beiden verunfallten Klienten des Fitnessstudios, Otto Bell und Johannes Reichert, zu Lebzeiten näher kennen. Viele Perspektivwechsel machen diese Geschichte richtig interessant und noch das kleinste, vermeintlich unwichtige Detail fügt sich in die Lösung mit ein.

Sehr gelungen fand ich auch, dass es keinen direkten Mord zu geben scheint. Beide Unfälle lassen auf körperliches "Versagen" schließen und somit ermittelt auch keine Polizei in diesen beiden Fällen. Edgar allein steht es zu, dieses Rätsel zu lösen und das schafft er auf seine ganz eigene ruhige Art und Weise. "Jemand anders" ist kein typischer Kriminalroman, sondern ein Vertreter der leiseren Sorte, der durch seinen ansprechenden und auch komplexen Aufbau der Geschichte zu überzeugen vermag.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover, im Hintergrund ganz in schwarz gehalten, zeigt einen dicken weißen Strick, der wohl auf den Krimiaspekt des Buches anspielen soll.

Fazit: "Jemand anders" ist ein Krimi der leisen Töne, der aber durch seinen geschickten Aufbau, gespickt mit Perspektiv- und Zeitenwechseln, zu überzeugen vermag.

3 Kommentare

  1. Servus Kerstin,
    danke für Ihre präzise wie auch sensible Rezension meines Romans. Damit sich Ihnen bzw. Ihren LeserInnen auch noch das Covermotiv erhellt, hier ein Hinweis: Der "dicke weiße Strick" stellt das sogenannte Zingulum eines Franziskanerpaters dar, das dieser um seine Kutte geschlungen trägt. Die drei Knoten stehen dabei für die drei Gelübde, die ein Franziskaner abzulegen hat: Gehorsam, Armut, Ehelosigkeit.
    Aber natürlich lässt sich das Motiv auch dahingehend interpretieren, dass man mittels dieses Stricks auch Selbstmord begehen kann(vgl. "Jemand anders", S. 189)...
    Herzlich Ihr
    Franz Kabelka

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  2. Lieber Herr Kabelka,
    vielen Dank für Ihren Kommentar und die Erklärung zum Covermotiv, welches ich nun auch besser nachvollziehen kann :)

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  3. Hallo! Freue mich so sehr auf diese ausführliche Inhaltsangabe. Werde das Buch mit Sicherheit bald lesen. :)

    Mit freundlichen Grüßen, Stefanie!

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