Rezension: Harald Pflug - Tschoklet

3.11.11

Titel: Tschoklet
Autor: Harald Pflug
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner (11.07.2011)
ISBN: 978-3-8392-1198-4
Broschiert, 370 Seiten
Preis: 11,90 €
eBook: ePub, PDF und bei Textunes für 9,99 €
Bezugsquelle: Gmeiner
Leseprobe

Badische Besatzungszone: Captain John Edwards, Leiter einer Scoutpatrouille der 7. US-Armee, macht sich kurz nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 mit seiner Truppe auf den Weg nach Karlsruhe. Unterwegs werden zwei seiner Soldaten erschossen. Anschließend versucht ein Unbekannter, das Fahrzeug des Offiziers mit einer Panzermine auszuschalten. Der Anschlag misslingt. Edwards und seine Leute wissen nicht, warum man ihnen nach dem Leben trachtet. Bis sie in der ehemaligen Panzerkaserne in Schwetzingen erste Hinweise auf den Täter bekommen...
Zum Autor:
Harald Pflug, geboren 1967, lebt mit seiner Familie in Karlsruhe. Schon seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte des Oberrheins und der badischen Metropole. "Tschoklet" ist sein erster Kriminalroman.

Rezension:
Captain John Edwards befindet sich mit seinen Männern auf dem Weg nach Karlsruhe, wo sie in der französisch besetzten Zone nähere Erkundungen über die Situation vor Ort anstellen sollen. Auf dem Weg dorthin werden sie mehrmals Ziel eines Scharfschützen, wobei zwei Kameraden ums Leben kommen.

Der Attentäter hat es eindeutig auf John Edwards abgesehen und bald schon ist klar, warum. Als die Männer auf ihrer Fahrt nach Karlsruhe die Deutsche Christine mitnehmen, ergibt sich für den Attentäter die vermeintliche Gelegenheit, endlich mit Edwards von Angesicht zu Angesicht abzurechnen...

Als erstes möchte ich dem Autor Harald Pflug ein Kompliment machen: Die Geschichte und der Weg der Soldaten nach Karlsruhe wurde unglaublich präzise und detailliert recherchiert und wiedergegeben. Was mich allerdings störte, war der vermeintliche Krimi-Anteil. Denn der Täter war nach ein paar Seiten bereits herausgefunden. Das muss jetzt nicht unbedingt zum Nachteil sein, doch nahm es für mich gehörig an Spannung und das Motiv, warum er es auf Edwards abgesehen hat, war auch etwas mau.

Durch die schon oben erwähnten detaillierten Schilderungen über die Fahrt der Soldaten nach Karlsruhe, die das Deutschland kurz nach der Kapitulation im Mai 1945 sehr bildhaft vor Augen erscheinen lassen, geriet der eigentliche Kriminalfall auch etwas ins Abseits. So kam es mir beim Lesen von "Tschoklet" eher so vor, einen fundierten historischen Tatsachenroman in der Hand zu halten als einen ausgereiften Kriminalroman.

Die Charaktere allerdings konnten mich begeistern. Man erfährt sehr vieles über die einzelnen Soldaten, die mit John Edwards unterwegs sind, ihr Leben vor dem Eintritt in die Armee wird kurz geschildert und wie jeder einzelne von ihnen mit der jetzigen Situation zurecht kommen muss. Aber gibt es auch hier eine Art Einteilung, mit der ich nicht so ganz einverstanden war. Denn die Amerikaner werden etwas zu sehr über den grünen Klee gelobt, während die Franzosen oftmals als faul und hinterhältig beschrieben werden. Ich denke, Unrühmliches gab es mit Sicherheit auf allen Seiten.

Zur Gestaltung des Buchs: Das schwarz-weiße Cover zeigt im Hintergrund eine Häuserzeile, im Vordergrund einen Soldaten, der einem barfüßigen kleinen Mädchen etwas in die Hand drückt, wahrscheinlich die dem Buchtitel entnommene "Tschoklet". Am Buchenende befinden sich diverse Zeichnungen und Literaturnachweise.

Fazit: "Tschoklet" könnte man durchaus als einen interessanten und auch gelungenen historischen Bericht über die Vorgänge kurz nach der Kapitulation 1945 im Karlsruher Bereich ansehen - als Kriminalroman, wie auf dem Cover zu lesen ist, würde ich das Buch nicht bezeichnen, dafür war dieser Anteil nicht ausgereift genug.

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