Rezension: Jo Treggiari - Ashes, Ashes

11.8.11

Titel: Ashes, Ashes
Autorin: Jo Treggiari
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: arsEdition (05.07.2011)
ISBN: 978-3-7607-8471-7
Gebunden, 400 Seiten
Preis: 16,95 €
Bezugsquelle: arsEdition

Tödliche Epidemien, Tsunamis und Klimakatastrophen - die 16-jährige Lucy hat das Ende der Welt kommen und gehen gesehen. Als eine der wenigen Überlebenden eines tödlichen Virus versucht sie sich in den zum Dschungel gewordenen Ruinen von New York durchzuschlagen. Doch Lucys Welt ist voller Bedrohungen: Gefährliche Diebe und skrupellose Plünderer streifen umher. Als eine Horde wilder Hunde sie jagt, gelangt sie ans Ende ihrer Kräfte. Doch wie aus dem Nichts taucht Aidan auf - ein Junge, der ihr hilft, der tödlichen Meute zu entkommen, und sie überredet, sich seiner Gruppe von Überlebenden anzuschließen. Aber auch diese kleine Gemeinschaft wird bedroht. Und langsam beginnt Lucy zu ahnen, dass sie selbst das Ziel der nächtlichen Überfälle ist. Etwas an ihr scheint anders zu sein...Doch was ist Lucys Geheimnis, das für die letzten überlebenden Menschen Bedrohung und Erlösung zugleich ist?
Zur Autorin:
Jo Treggiari wurde in London geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Ottawa, Kanada. Mit dem Schreiben begann sie bereits im Alter von acht Jahren, als sie klassische Märchen modernisierte und neu erzählte. Später wohnte sie in New York City und San Francisco, wo sie als Boxerin trainierte, Artikel für Punk-Magazine schrieb und ein eigenes Plattenlabel betrieb. Jo lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern in Neuschottland, Kanada. Sie liebt Hunde, Krähen und Oktopusse, bloggt gern und entspannt sich beim Kuchenbacken.

Rezension:
Nach mehreren Katastrophen ist die Menschheit zu 99 % dahingerafft. Die 16-jährige Lucy Holloway ist eine der wenigen Überlebenden und schlägt sich in den Ruinen des ehemaligen New York mehr schlecht als recht alleine durch, bis sie eines Tages den gleichaltrigen Aidan kennenlernt. Aidan hilft ihr auf der Flucht vor einer wildgewordenen Hundemeute und lädt Lucy ein, sich seiner Gruppe von Überlebenden, die am anderen Ende der ehemaligen Stadt eine kleine Siedlung errichtet haben, anzuschließen.

Lucy zögert, denn sie ist an das Alleinsein gewöhnt und scheut den Kontakt zu anderen. Doch dann schlägt plötzlich eine Tsunamiwelle über ihre Behausung ein und es bleibt ihr keine andere Wahl, als sich zu Aidan und seinen Gefährten durchzuschlagen. Dort bekommen sie und die anderen Überlebenden es mit den "Sweepern" zu tun, die wahllos Personen in ihre weißen Vans einladen, von denen man nie wieder hört. Lucy und Aidan wollen ihre Mitbewohner retten und machen sich auf den Weg zu den "Sweepern" und Lucy muss dort erfahren, dass sie etwas Besonderes zu sein scheint, auf das eine gewisse Dr. Lessing es abgesehen hat...

Da es sich bei "Ashes, Ashes" um eine Dystopie handelt, und ich mittlerweile großer Fan dieses Genres geworden bin, musste ich dieses Buch natürlich lesen. Zu anfangs erzählt die Autorin sehr ausführlich über den Tagesablauf von Lucy und wie die Welt zu dem werden konnte, was sie nun ist. Dies mag dem einen oder anderen Leser recht langweilig anmuten, doch ich fand diese doch recht detaillierten Ausführungen der Autorin interessant, denn so konnte ich mich auf Lucy und ihre Gedanken- und Gefühlswelt ganz und gar einlassen.

Lucy wird trotz ihrer erst 16 Jahre als eine sehr starke und eigenständige Persönlichkeit geschildert, die sich, seitdem diese ganzen Katastrophen auf die Erde niederkamen, ganz alleine durch ihr Leben schlägt. Leider fehlte mir aber ein wenig mehr Wissen über ihre Vergangenheit. Es wird zwar knapp und bündig von Jo Treggiari geschildert, dass niemand aus Lucys Familie überlebt hat, aber ich hätte mir ein wenig mehr Rückblenden aus ihrem früheren Leben gewünscht und somit fehlt es ihr charakterlich etwas an Tiefe.

Die Nebencharaktere wie Aidan, der ihr vor der Hundemeute das Leben rettet, die sehr biestige Del, die auf Lucy eifersüchtig ist, da sie Angst hat, Aidan zu teilen, in den sich Lucy zu verlieben beginnt und Sammy, Aidans Bruder, der die Epidemie überlebte, aber sein Leben lang davon gezeichnet bleiben wird, hätten auch mehr Farbe verdient. Keiner von ihnen erinnert oder trauert jemals den "alten" Zeiten nach, sie leben nur im Hier und Jetzt, so als ob sie bereits in diese zerrüttete und zerstörte Welt hineingeboren worden wären.

Die "Sweeper", die die Autorin als die obligatorischen Bösewichte erdacht hat, blieben mir ein Rätsel. Sie benehmen sich wie eine Art Roboter ohne jegliche Gefühls- und Gedankenwelt und ihr Handeln war dadurch für mich nicht nachzuvollziehen. Was treibt Menschen dazu, auf Befehl einer einzelnen Person andere Unschuldige und Gesunde festzunehmen und verschwinden zu lassen? Dies fragte ich mich bis zum Ende des Buches hin. Leider wurde am Ende auch nicht klar, wie es mit Lucy und den anderen überlebenden Bewohnern weitergeht und wie ihr weiterer Weg in dieser apokalyptischen Umgebung aussieht.

Jo Treggiari hat mit "Ashes, Ashes" eine Dystopie erschaffen, die vom Thema her sehr viel Potenzial hat, aber für mich leider nicht halten konnte, was es anfangs noch versprach. Die Charaktere blieben hinter meinen Erwartungen zurück, doch lässt es sich vom Schreibstil her sehr gut lesen, da die Autorin nicht mit unnötigen Worthülsen um sich wirft und schnell und direkt zur Sache kommt. Pluspunkt für mich ist auch, dass es sich nicht (wieder) um den Beginn einer Trilogie handelt, sondern "Ashes Ashes" ein Stand-Alone-Roman ist, dessen Ende allerdings in sich abgeschlossener hätte sein können.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover, komplett in Schwarz-Weiß-Tönen gehalten, zeigt die beiden Hauptcharaktere Lucy und Aidan (in Spotlackoptik hervorgehoben) inmitten von Trümmern und Ruinen, was perfekt zur Geschichte passt.

Fazit: "Ashes, Ashes" ist eine durchschnittliche Dystopie, die leider zu wenig Augenmerk auf die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Charaktere legt und somit leider sehr viel von seinem eigenen Potenzial verliert.

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