Rezension: Herbert Beckmann - Die Nacht von Berlin

16.8.11

Titel: Die Nacht von Berlin
Autor: Herbert Beckmann
Genre: Krimi/Regionalkrimi
Verlag: Gmeiner (08.08.2011)
ISBN: 978-3-8392-1215-8
Broschiert, 326 Seiten
Preis: 12,90 €
eBook: ePub oder PDF für 9,99 €
Bezugsquelle: Gmeiner
Leseprobe

September 1911. Berlin ist Weltstadt. Rastlos, vergnügungssüchtig, nervös. Selbst bei Nacht eine "Stadt aus Licht". Doch im Schatten des glitzernden Lichtermeers der Reichshauptstadt gedeiht das Verbrechen auf nie gesehene Weise: An verschiedenen Orten Berlins werden Leichen gefunden - brutal ermordet, grotesk kostümiert, theatralisch ausgestellt. Der blutjunge Ermittler Edmund Engel begreift als Erster, dass hier kein gewöhnlicher Mörder am Werk ist. Und auch der erfahrene Nervenarzt Alfred Muesall erkennt die Handschrift eines modernen Tätertyps. Einen "Künstler" im Fach Mord, dessen bizarre Spur in das weltberühmte Berliner Metropol-Theater führt...
Zum Autor:
Herbert Beckmann, 1960 geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin. Er hat zahlreiche Sachbücher, Hörspiele und Geschichten für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Mit seinem ersten historischen Roman "Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova" war er 2010 für den Sir-Walter-Scott-Preis nominiert. "Die Nacht von Berlin" ist sein dritter Roman im Gmeiner-Verlag.

Rezension:
Der junge Kriminaler Edmund Engel ist Frischling bei der Berliner Kriminalpolizei. Kurz nach seinem Antritt wird die Leiche einer Schneiderin aus dem Wasser geborgen und einige Tage später die Familie des Juweliers Stoltze tot aufgefunden, künstlerisch drapiert im Ladenschaufenster. Doch der Morde nicht genug: Als dann noch die Leiche einer Künstlerin aus dem bekannten Metropol-Theater auf einer Parkbank entdeckt wird glaubt Engel langsam an das Werk eines Serientäters.

Doch niemand will ihm Glauben schenken. Die Kommissare, mit denen er zusammenarbeitet, gehen von Einzeltätern aus und Engel wird von höchster Stelle kaltgestellt. Nur der Nervenarzt Dr. Muesall hat wie Edmund den gleichen Verdacht und unterstützt ihn bei seinen Ermittlungen, die er nunmehr auf eigene Faust durchführen muss...

Ich habe mich mit "Die Nacht von Berlin" auf einen atmosphärischen Krimi aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts gefreut und das konnte Herbert Beckmann mit seinem Roman vollends erfüllen. Der junge Edmund Engel war mir von Anfang an sympathisch, da er für die Zeit, in der der Roman spielt, schon unglaublich moderne Ansichten, was die Ermittlungen angeht, hat. Er wirkt zwar recht scheu und schüchtern, doch ist ihm das angesichts seiner Vorgesetzten nicht zu verdenken.

Diese kommen allesamt sehr arrogant und rechthaberisch daher, aber im Grunde genommen haben sie von Tuten und Blasen keine Ahnung. Sie ziehen vor, schnell einen Täter auszumachen, ohne je irgendwelche Ungereimtheiten oder nicht passende Vorfälle zu hinterfragen. Denn es zählt nur eines: Schnellstmöglich einen Täter festzunehmen, ob dieser nun wirklich infrage kommt oder nicht, es zählt der Erfolg! Umso schneller kann man sich dann dem obligatorischen Gang ins nächste Wirtshaus widmen.

Edmund ist daher bei seinen neuen Kollegen nicht gern gesehen, denn er nimmt sich heraus, Dinge zu hinterfragen und näher zu beleuchten und das passt den Kommissaren so gar nicht in ihr Konzept. Selbst von höchster Stelle wird er nicht unterstützt sondern eher belächelt. Nur durch die Unterstützung des Nervenarztes Dr. Muesall gelingt es ihm, den Täter zu stellen und somit seinen Kollegen zu zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Herbert Beckmann versteht es mühelos, das Berlin im frühen 20. Jahrhundert darzustellen. Zügellos, vergnügungssüchtig bei den Reichen auf der einen Seite, schildert er aber auch eindrucksvoll die Armut und die Trostlosigkeit der Menschen, die am Rande der höheren Gesellschaft leben. Durch diese detaillierten Schilderungen fühlt man sich als Leser richtiggehend in diese Zeit zurückversetzt.

Der Täter wird bis zum Ende hin nicht ersichtlich, sodass eine gewisse Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt. Die Auflösung indes ist stimmig und schlüssig. Gut gefallen haben mir auch Auftritte von Personen, die real existierten, wie z.B. Alfred Doeblin, der später mit seinem Roman "Berlin Alexanderplatz" berühmt wurde oder Fritzi Massary, die wirklich als Sopranistin im Metropol-Theater auftrat.

"Die Nacht von Berlin" hat mich in das Berlin von 1911 entführt und mir schöne unterhaltsame Lesestunden beschert. Ich hoffe, dass Herbert Beckmann sich dazu entschließt, daraus eine Serie um Edmund Engel entstehen zu lassen, denn ich würde gerne mehr von diesem wirklich sympathischen jungen und modernen Ermittler dieser Zeit lesen.

Zur Gestaltung des Buchs: Das farbige Cover zeigt eine Reihe junger Tänzerinnen während einer Aufführung im Theater, was sehr gut zum Thema des Buches passt.

Fazit: "Die Nacht von Berlin" kann ich interessierten Lesern von historischen Krimis nur wärmstens ans Herz legen. Ein sympathischer junger Ermittler, der trotz einiger Hindernisse an seinem Verdacht festhält und atmosphärische Schilderungen des Berlin um 1911 wissen zu unterhalten und zu fesseln.

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