Rezension: Herbert Dutzler - Letzter Kirtag

8.6.11

Titel: Letzter Kirtag
Autor: Herbert Dutzler
Genre: Krimi/Regionalkrimi
Verlag: Haymon (Februar 2011)
ISBN: 978-3-85218-870-6
Broschiert, 264 Seiten
Preis: 9,95 €
Bezugsquelle: Haymon

So etwas hatte selbst Gasperlmaier noch nie gesehen. Dabei hat er schon viel gesehen, der Gasperlmaier, schließlich ist er seit mehr als zwanzig Jahren Polizist in Altaussee. Aber ein Erstochener am Montag in der Früh im Festzelt vom Altausseer Kirtag, das ist auch für ein gestandenes Mannsbild wie ihn zu viel. Und so trifft er eine falsche Entscheidung - nicht die letzte an diesem Tag, und auch der Tote im Festzelt wird nicht das einzige Opfer bleiben.
Zum Autor:
Herbert Dutzler, geboren 1958, aufgewachsen in Schwanenstadt und Bad Aussee, lebt in Schwanenstadt. Diplomarbeit zum Thema Kriminalroman, Letzter Kirtag ist sein Debüt als Krimiautor.

Rezension:
Der Polizist Franz Gasperlmaier entdeckt am Montagmorgen des Altausseer Kirtags eine Leiche im Festzelt. Da bei Entdeckung dieser aber das ganze Fest in Gefahr ist, beschließt er, dass sie schnellstmöglich verschwinden muss und verbringt sie in den nahegelegenen Toilettenwagen. Schon bald muss Gasperlmaier feststellen, dass diese Idee nicht besonders gut war. Zur Aufklärung dieses Falles wird er Frau Doktor Kohlross unterstellt, die er bei den Ermittlungen unterstützen soll und ihr wird schnell klar, dass der Tote nicht im Toilettenwagen umgebracht wurde.

Doch soll dies nicht der einzige Tote bleiben und Gasperlmaier tritt während der Ermittlungen in seiner Tollpatschigkeit von einem Fettnäpfchen in das nächste...

Der Charakter des Franz Gasperlmaier war mir von Beginn an sympathisch. Herbert Dutzler schildert ihn als relativ schüchternen, in manchen Situationen auch verklemmten Mann, der sich aber in Situationen, in denen es durchzugreifen heißt, immer zu helfen weiß. Frau Doktor Kohlross empfand ich als eine kompetente Vorgesetzte, die sich jederzeit durchzusetzen vermag und auch mit gewissen Vorurteilen ihrer männlichen Kollegen gut umgehen kann und immer ein offenes Ohr für ihre Untergebenen hat.

Der Fall selbst gerät ein wenig ob der sehr hohen Präsenz Gasperlmaiers ins Hintertreffen, doch bleibt er generell spannend, denn es ist sehr lange Zeit nicht klar, wer der Mörder ist und es kommen auch noch einige Morde während der Handlung hinzu. Zwar bleiben die Verdächtigen in einem übersichtlichen Rahmen, doch das Motiv wird erst zum Ende hin sichtbar.

Mit "Letzter Kirtag" ist Herbert Dutzler ein wunderbares Debüt im Bereich Regionalkrimi gelungen, das nur so vor Lokalkolorit schäumt und dessen Protagonist Gasperlmaier in einigen Situationen kein Auge trocken lässt. Ich hoffe, dass noch einige Fälle auf den durchaus sympathischen Polizisten warten.

Zur Gestaltung des Buchs: Auf dem dunklen Untergrund des Covers ist ein Ausschnitt einer Altausseer Lederhose zu sehen, die am Bein von Blut durchtränkt ist. Gut gefallen hat mir die Idee, die Ecken des Taschenbuchs abzurunden.

Fazit: "Letzter Kirtag" möchte ich Lesern empfehlen, die Regionalkrimis mit einem hohen Anteil humorvollen Lokalkolorits mögen. Auf ein Wiedersehen mit Gasperlmaier und seinen Kollegen freue ich mich bereits jetzt.

5 Kommentare

  1. Hallo Kerstin!

    Deine Rezension gefällt mir. :)
    Allerdings mache ich einen großen Bogen um Regionalkrimis - vor allem seit meinen Reinfällen mit Andreas Föhr und Volker Klüpfel/Michael Kobr.

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  2. Liebe Sabine, vielen Dank :) Von den Autoren, die du anführst, habe ich bisher nichts gelesen, sagen mir aber vom Namen her etwas und ich dachte, dass diese Bücher recht gut sein sollen. Aber wenn sie dir nicht gefallen haben, lasse ich da wohl auch besser die Finger von, da wir ja doch einen ähnlichen Lesegeschmack haben ;)

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  3. Hallo liebe Kerstin!

    Ich dachte eigentlich auch immer, dass die Bücher dieser Autoren gut sind, bis ich dann selbst je eins ihrer Werke gelesen habe. Mir sagen diese ganzen Alpen- und Bayernkrimis einfach nicht zu.

    Dafür mag ich z.B. die Krimi-Serien von Jan Seghers (Kommissar Marthaler, Frankfurt) und Silvia Roth (Polizistenduo Verhoeven/Heller, Wiesbaden), die ebenfalls viel Lokalkolorit bieten und sehr unterhaltsam/spannend sind.

    Und das mit dem ähnlichen Lesegeschmack kann ich nur unterschreiben - ich habe mir schon viele Büchertipps von dir geholt. :)

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  4. Liebe Sabine, die Marthaler-Bücher fand ich auch ganz toll (zumal ich ja aus der Gegend komme), nur "Die Akte Rosenherz" habe ich bisher noch nicht gelesen. Silvia Roth sagt mir jetzt leider gar nichts, müsste ich mir vielleicht auch mal näher anschauen. Hast du denn Erfahrungen mit den Krimis von Nele Neuhaus? Mein Freund hat die ersten beiden gelesen und fand sie ganz gut (ich bin leider noch nicht dazu gekommen, habe aber alle Bände hier). Der Schauplatz ist auch Hessen, speziell der Taunus, also bei mir gerade um die Ecke ;)
    Dir ein wunderbares Wochenende :)

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  5. Hallo liebe Kerstin!

    Welch Zufall: "Die Akte Rosenherz" habe ich auch noch nicht gelesen (ich warte auf die TB-Ausgabe).
    Die Julia Durant-Reihe spielt übrigens auch in Frankfurt. ;-)

    Ich habe mal einen Post zu deutschen Krimiserien verfasst, da ist Silvia Roth auch dabei:
    http://buechersuechtig-sabine.blogspot.com/2011/04/deutsche-krimiserien.html

    Von Nele Neuhaus habe ich noch nichts gelesen, aber das wird sich ändern (es gibt sie in der Bücherei).

    Schönes Wochenende wünsche ich dir,
    Sabine

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