Rezension: Ronald Malfi - Tod in Neverland

17.5.11

Titel: Tod in Neverland
Autor: Ronald Malfi
Genre: Thriller (Mystery)
Verlag: Otherworld (Januar 2011)
ISBN: 978-3-8000-9537-7
Broschiert, 509 Seiten
Preis: 16,95 €

Kelly Rich, die sich von ihrer Familie abgewandt hat, muss nach Hause zurückkehren, als ihre Schwester in einen mysteriösen Unfall verwickelt wird. Nach jahrelanger Verdrängung der Ereignisse, die sie zur Flucht bewogen, taucht sie ein in die Traumwelt ihrer Kindheit, denn nur so kann sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüften und ihre Schwester retten. Aber in der unheimlichen Ortschaft Spires, ihrer einstigen Heimat, herrschen kalte Herzen, lauern im Wald tödliche Geheimnisse, und nichts ist, wie es scheint. Wirklichkeit und Fantasie verschmelzen, als sich Kelly ihrer Rolle in den Tragödien stellt, die ihre Familie heimsuchen...
Zum Autor:
Ronald Malfi wurde 1977 in Brooklyn, New York, geboren. Später zog er mit seiner Familie nach Maryland um, wo er den Großteil seiner Kindheit an der Chesapeake Bay verbrachte. Schon früh entwickelte er Interesse an Kunst und gilt auch als kompetenter Musiker. 1999 schloss er sein Englisch-Studium an der Towson University ab. Einige Jahre lang war er Frontmann der Alternative-Rock-Band Nellie Blide. Als Schriftsteller ist Malfi bekannt für seinen subtilen, literarischen Stil und einprägsame Charaktere, wodurch er auch bei Lesern anspruchsvoller Literatur großen Anklang findet.

Rezension:
Kelly Rich, die in New York lebt und dort an einem Filmprojekt über Personen mit körperlichen Handicaps arbeitet, wird von ihrem Vater nach Hause gerufen, nachdem ihre Schwester im Wald nahe des Wohnhauses von jemandem überfallen und schwer verletzt wurde. Kelly kann sich selbst kaum an ihre Kindheit in dem kleinen Ort Spires erinnern, sie weiß nur, dass ihre Eltern sie im Alter von 15 Jahren in eine Psychiatrie einweisen ließen.

Währenddessen kümmert sich ihr Kollege Josh um Nellie Worthridge, eine Frau, die in ihrer Jugend bei einem Autounfall beide Beine verlor und die an dem Filmprojekt mitwirkt und kurze Zeit nach Kellys Abreise einen Schlaganfall erleidet. Ihrem Arzt Dr. Mendes sagt sie in einer Art Vision den Tod seines ungeborenen Sohnes voraus. Als Kelly in Spires ankommt, versucht sie alles, die Erinnerungen an ihre Kindheit wiederzuerlangen und ihre Schwester Becky, die seit dem Überfall im Koma liegt, zu retten. Doch was Kelly aufdeckt, ist noch schlimmer, als sie es sich in ihren Albträumen vorstellen konnte...

Kelly Rich, die Hauptfigur des Buches, ist ein wahrlich interessanter Charakter. Als Kind einsam aufgewachsen, von den Eltern mehr geduldet als geliebt wird sie bereits als 15-jährige in die Psychiatrie eingewiesen, in der sie 3 Jahre lang ohne jedweden Besuch ihrer Angehörigen lebt. Nach ihrer Rückkehr in das verhasste Elternhaus in der Kleinstadt Spires kommen die Erinnerungen an diese Kindheit, die sie über Jahre aus dem Gedächtnis gelöscht hatte, zurück, die sie zuerst sehr ängstigen, sie aber nach und nach stärker und erwachsener werden lassen.

Weitere erwähnenswerte Charaktere sind Nellie Worthridge, die sich während der Geschichte als eine Art Medium herauskristallisiert, Dr. Carlos Mendes, ihr behandelnder Arzt, der mit Nellies Vision, dass sein ungeborener Sohn tot auf die Welt kommen wird, hadert und Josh Cavey, Kellys Kollege und guter Freund, der sich nach Nellies Schlaganfall rührend um sie kümmert und ihr Geheimnis erst richtig ergründet.

Ronald Malfi hat mit "Tod in Neverland" einen subtilen Mystery-Thriller erschaffen, der praktisch ohne Gewaltszenen auskommt. Der Autor beschreibt sehr detailliert die bedrückenden Orte von Kellys Kindheit, das düstere Wohnhaus, den angrenzenden unheimlichen Wald und die Psychiatrie, in der sie 3 lange Jahre verbringen muss. Auch wird nicht an typischen Elementen wie die von Geisterhand geöffneten Fenster in Beckys Zimmer oder die immer wieder auftauchenden abgebrochenen Plastikgabeln gespart.

"Tod in Neverland" wird aus der neutralen Sicht in Vergangenheitsform erzählt. Immer wieder werden Rückblenden in Kellys Kindheit eingestreut, die sehr gut zum Gesamtverständnis ihrer Person beitragen und ihre Einsamkeit zu dieser Zeit widerspiegeln. Ronald Malfi versteht es, in der gesamten Handlung eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten, die den Leser in die seelischen Abgründe von Kelly führt. "Tod in Neverland" vermag den Leser mit seiner Subtilität zu packen, ohne auf blutige Szenen zu setzen.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist in dunklen Schwarz- und Lilatönen gehalten. Ein Wald wird dargestellt und in der Mitte ist eine schemenhafte Person zu erkennen.

Fazit: "Tod in Neverland" ist ein Mysterythriller, der mit den seelischen Abgründen seiner Protagonistin zu punkten weiß. Gekonnt gelingt es dem Autor, Realität und Fantasie zu vermischen und genau das macht dieses Buch aus.

3 Kommentare

  1. Hi Kerstin,

    und wieder ein Buch auf meine Wunschliste. Zumindest pack ich es erst mal dahin, klingt jedenfalls sehr sehr gut :O)
    LG Ela

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  2. Oh je...

    und schon wieder ein Buch auf meiner Wunschliste :-)

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  3. Hallo ihr beiden, das freut mich!! :)

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