Rezension: Joseph Zoderer - Die Farben der Grausamkeit

13.4.11

Titel: Die Farben der Grausamkeit
Autor: Joseph Zoderer
Genre: Belletristik/Zeitgenössisches
Verlag: Haymon (Februar 2011)
ISBN: 978-3-85218-684-9
Gebunden, 336 Seiten
Preis: 19,90 €

Richard will sich von der Liebe seines Lebens befreien, von der Obsession einer Leidenschaft, die ihn immer noch an Ursula fesselt, seine einstige Geliebte, die ihn verlassen hat. Um sein Familienglück zu retten, kauft er ein Bauernhaus am Berg. Die Umgestaltung des neuen Heimes soll ihn ablenken, erlösen von der Sehnsucht nach Ursula, soll ihn zurückführen zu seiner Frau Selma, die er immer noch liebt, und zu ihren beiden Söhnen.
Richard pendelt zwischen zwei Welten, zwischen Idyll und schmerzender Erinnerung, zwischen der Einsamkeit des Bergdorfs und der Betriebsamkeit der Stadt. Doch dann macht er einen Karrieresprung und wird als Auslandskorrespondent ins Berlin des Jahres 1989 geschickt. Inmitten der weltpolitischen Umwälzungen begegnet er dort ein zweites Mal Ursula und muss sich entscheiden...
Zum Autor:
Joseph Zoderer, geboren 1935 in Meran, lebt als freier Schriftsteller in Bruneck. Studium der Rechtswissenschaften, Philosophie, Theaterwissenschaften und Psychologie in Wien. Vom Autor des Romans Die Walsche erschienen zuletzt: Der Schmerz der Gewöhnung. Roman (2002), Der Himmel über Meran. Erzählungen (2005), Liebe auf den Kopf gestellt. Lyrik (2007) sowie bei HaymonTb Das Glück beim Händewaschen. Roman (2009). Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Ehrengabe der Weimarer Schillerstiftung (2001), Hermann-Lenz-Preis (2003) und Walther-von-der-Vogelweide-Preis (2005).

Rezension:
Richard, ein Rundfunkmoderator, betrügt seit einiger Zeit seine Frau Selma mit der jüngeren Ursula. Er führt ein Doppelleben, einerseits genießt er die Aufmerksamkeit der jüngeren Frau in der betriebsamen Großstadt, in der er arbeitet und sich dort heimlich mit ihr trifft, aber andererseits fühlt er sich bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn Rik in einem kleinen einsamen Bergdorf, wo sie ein altes Bauernhaus gekauft haben, wohl.

Kurz nach dem Umzug in das alte Haus beendet Ursula die Affäre und Richard kniet sich nun als eine Art Therapie in die Renovierung des Gebäudes. Doch die viele Arbeit kann die Gedanken, die immer wieder um Ursula kreisen, nicht vertreiben. Als er zum Auslandskorrespondenten befördert wird und ihn diese Tätigkeit nicht nur nach Berlin, wo gerade die Mauer fällt, sondern auch an andere ausländische Ziele führt, begegnet ihm Ursula, die mittlerweile verheiratet ist, wieder und sie lassen ihre Affäre wiederaufleben...

Leider hatte ich mit Joseph Zoderers Werk meine liebe Mühe. Das liegt daran, dass im gesamten Roman keine einzige wörtliche Rede vorkommt, vielmehr nur aus der dritten Person erzählt wird. Die Beschreibungen rund um den Hausumbau waren mir zu ausufernd geschildert, dies stockte den Lesefluss für mich nicht unmaßgeblich. Richards Gedankenwelt, die sich immer wieder in kursiv geschriebenen Sätzen zwischen dem Geschehen einfindet, strotzt nur so von Poesie und philosophischen Einflüssen, die sich mir nicht wirklich erschlossen haben.

Richard selbst konnte ich in seinem Handeln und Denken nicht nachvollziehen, zumal er sich in der Affäre mit Ursula als eine Art Opfer sieht und in der Zeit mit ihr keinen einzigen Gedanken an seine Frau und seine mittlerweile zwei Söhne verschwendet. Ursula ist aus seiner Sicht die Böse, die ihn jedesmal verführt und der er auch die Schuld dafür gibt, fremdzugehen. Trotz allem ist "Die Farben der Grausamkeit" ein Roman, der, hat man sich erst einmal an die sehr bildhafte und detaillierte Schreibweise Joseph Zoderers gewöhnt, sich zu lesen lohnt. Denn man möchte schon gerne wissen, wie sich Richard am Ende des Buches entscheiden wird.

Zur Gestaltung des Buchs: Der Schutzumschlag zeigt einen hellbraunen Sandstrand und ein Beinpaar, das Fußspuren darauf hinterlässt. Man könnte dies eventuell auf Ursula beziehen, die ihre Spuren in Richards Leben hinterlassen hat.

Fazit: "Die Farben der Grausamkeit" ist kein einfaches Buch, das man mal auf die Schnelle durchliest. Vielmehr besticht es durch seine poetische und bildgewaltige Sprache, auf die man sich einlassen muss.

4 Kommentare

  1. Hallo Kerstin!

    Wie immer eine sehr schöne, informative Rezension. :)
    Das Buch ist nichts für mich, da lese ich lieber (bald) "12 mal Polt" aus dem Haymon Verlag. ;-)

    LG, Sabine

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  2. @Sabine: dankeschön! Meins war's leider auch nicht wirklich...ist das ein Kurzgeschichten-Buch? Ich habe noch zwei Bücher von Haymon hier, "Stadt der Schmerzen" und "Letzter Kirtag", beides Krimis. Kennst du da schon einen von?

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  3. Hallo Kerstin!

    Wir haben ja einen ähnlichen Buchgeschmack, wie ich schon öfters festgestellt habe. ;-)

    Ja, "Zwölf mal Polt" sind 12 Kurzgeschichten rund um einen schrulligen österreichischen Dorfgendarmen.

    Deine anderen Bücher kenne ich persönlich nicht, aber Isabel von Bellers Leseinsel hat sie bereits rezensiert. Guck mal:
    http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/2011/03/rezension-letzter-kirtag-von-herbert.html
    http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/2011/03/rezension-stadt-der-schmerzen-von-edith.html

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  4. Sabine, danke für die Links. Da werde ich mal grob schauen, um nicht schon zu viel verraten zu bekommen ;)

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