Rezension: Kathleen Weise - Blutrote Lilien

3.3.11

Titel: Blutrote Lilien
Autorin: Kathleen Weise
Genre: Jugendbuch/Historischer Roman (ab 12 Jahren)
Verlag: Planet Girl (Januar 2011)
ISBN: 978-3-522-50218-4
Gebunden, 336 Seiten
Preis: 14,90 €
Leseprobe

Kurzbeschreibung:

Paris, 1609: Der Duft von Reichtum und Macht lockt viele an den Hof. Auch die junge Charlotte de Montmorency gerät in den Strudel ausschweifender Feste, schmeichelhafter Freundschaften und gefährlicher Intrigen. Denn hinter den glanzvollen Kulissen kämpfen die unterschiedlichen Lager am Hof mit allen Mitteln um den Einfluss auf die Königsfamilie. Schnell muss Charlotte zwei Dinge erkennen: Sie braucht Verbündete in einer Welt, in der sie scheinbar niemandem trauen kann. Und eine falsche Entscheidung kann dabei tödlich sein. Doch gerade jetzt hat sie sich in den geheimnisvollen Fremden verliebt, der nicht mehr ist als ein Schatten...

Zur Autorin:
Kathleen Weise studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, hat viele Jahre als Lektorin gearbeitet und ehrenamtlich Textwerkstätten für Jugendliche durchgeführt. Seit sie zum ersten Mal vom tragischen Schicksal der Königin Marie Antoinette gehört hat, interessiert sie sich für die Bourbonen-Königin, die Europa so schicksalhaft geprägt haben. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Leipzig.

Vater würde toben, wenn er davon erfuhr. Beunruhigt sah ich aufs Wasser. Ein Gefühl beschlich mich, als würde sich eine Fessel um meinen Brustkorb legen, die sich beständig zuzog. Der Louvre erschien mir auf einmal wie eine Falle. (Seite 210)
Rezension:
Im Paris des Jahres 1609 trifft die 15-jährige Charlotte de Montmorency am Louvre, dem Sitz des Königs Henri IV., ein. Sie soll dort in Kürze die Ehe mit dem sehr einflussreichen Marquis de Bassompierre eingehen, der doppelt so alt wie Charlotte ist. Charlotte ist voller Vorfreude auf das bevorstehende Wiedersehen mit ihrem Verlobten, denn sie ist wirklich verliebt in diesen Mann. Doch dann überrascht sie ihn eines Tages beim Fremdgehen und wird somit Gesprächsthema Nummer Eins am Hofe.

Charlotte ist voller Wut auf ihren Verlobten, den einzigen Rückhalt bildet ihre Freundin Sophie, eine Hugenottin, die sie am Hof kennengelernt hat. Aber auch der geheimnisvolle Schatten eines Mannes, den sie jeden Abend am Fenster gegenüber sieht und der auf sie zu warten scheint, lässt Charlotte nicht mehr los. Wer verbirgt sich dahinter? Und wird die geplante Hochzeit mit de Bassompierre trotz seiner Eskapade dennoch stattfinden?

Mit "Blutrote Lilien" ist Kathleen Weise ein sehr schöner historischer Roman für Jugendliche gelungen. Durch die Tatsache, dass die Handlung größtenteils auf realen Personen und Ereignissen beruht, wirkt die Geschichte der Charlotte de Montmorency noch einen Tick glaubwürdiger. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, die Handlung größtenteils vorhersehbar, doch für die angesprochene Zielgruppe von Jugendlichen ab 12 Jahren kann "Blutrote Lilien" durchaus seine Erwartungen erfüllen.

Charlotte, zu Anfang in ihrer Handlungs- und Denkweise noch sehr naiv, wandelt sich im Fortschritt der Geschichte zu einer selbstbewussten, eigenständig handelnden und denkenden jungen Frau. Den nicht angenehmen Ausschlag dazu gibt eindeutig, dass sie ihren Verlobten de Bassompierre mit einer anderen Frau im Bett erwischt. Dieser war mir von Anfang an sehr unsympathisch, ein eitler Pfau und nur auf seine eigenen Vorteile bedacht, die ihm die Heirat mit Charlotte bringen würde.

Auch Henri, Charlottes Bruder, ist vom Wesen nicht anders. Er verlangt von ihr, über die Tat de Bassompierres hinwegzusehen. Als sie dies ablehnt, wendet er sich von ihr ab und sie gehört nicht mehr zu seiner Familie. Interessant fand ich die Figur des Angoulevent, dem König der Spielleute und Narren des Prinzen Condé. Ihm gelingt es, Charlotte immer wieder aufzumuntern und ich hätte ihn gerne in einer etwas größeren Rolle gesehen. Der Prinz Condé ist zu Beginn ein sehr sarkastischer Charakter, der sich über Charlotte lustig zu machen scheint. Doch scheint in manchen Situationen durch, dass er mehr für sie empfindet.

Schlussendlich ist "Blutrote Lilien" ein Buch, das ich jugendlichen wie auch erwachsenen Lesern empfehlen möchte, die sich einmal an einem historischen Roman versuchen wollen. Als Einstieg in dieses Genre ist das Buch wie gemacht, denn es kommt ohne jedwede übertriebene Handlung (wie man sie manches Mal in Büchern dieses Genres liest) aus, beruht auf realen Charakteren und unterhält durch Ränke und Intrigen, die der Handlung noch einen zusätzlichen Schuss an Spannung verleihen.

Zur Gestaltung des Buchs: Der Schutzumschlag des Buches fühlt sich wie eine Art Tapete an. Verschiedene Ranken, Blumenornamente und Vogelgrafiken zieren den Einband, am unteren Abschnitt sind mehrere Blutstropfen in Spotlackoptik hervorgehoben. Auf der ersten Innenseite ist ein Brief eingeklebt, der durch ein Siegel geschützt ist. Dessen Inhalt wird bei der Lektüre des Buches verständlich. Eine sehr schöne Idee!

Fazit: "Blutrote Lilien" empfehle ich als Einsteigerbuch in das Genre des Historischen Romans - eine Geschichte, die auf Tatsachen beruht und durch ihren leichten Schreibstil besonders für interessierte jugendliche Leser geeignet ist.

Wertung: 4 von 5 Punkten

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