Rezension: Brenna Yovanoff - Schweigt still die Nacht

24.2.11

Titel: Schweigt still die Nacht
Originaltitel: The Replacement
Autorin: Brenna Yovanoff
Genre: Jugendbuch (ab 14 Jahren)
Verlag: script5 (Januar 2011)
ISBN:
978-3-8390-0127-1
Gebunden, 368 Seiten
Preis: 17,95 €
Leseprobe

Kurzbeschreibung:
Mackie Doyle lebt in Gentry, einer Kleinstadt in der amerikanischen Provinz. Doch die Welt, aus der er stammt, birgt Tunnel bis tief unter die Erde und bodenlose schwarze Tümpel, sie beherbergt wandelnde Tote und eine Herrscherin, so grausam wie die Nacht. Vor vielen Jahren wurde Mackie ausgetauscht - anstelle eines menschlichen Babys in dessen Wiege zurückgelassen.
Er würde alles dafür tun, ein normales Leben zu führen, unbemerkt von neugierigen Augen, doch die andere Seite der Nacht ruft ihn: Als wieder ein Kind verschwindet, die Schwester seiner großen Liebe Tate, weiß Mackie, dass er sich den dunklen Kreaturen tief unter der Stadt stellen und endlich seinen Platz finden muss - in unserer Welt oder ihrer.

Zur Autorin:
Brenna Yovanoff wuchs in einer Kleinstadt in Arkansas auf und studierte an der Colorado State University. Sie spielt hervorragend Fußball und backt leckere Pasteten, dafür ist sie eine grauenvolle Tänzerin und kann sich einfach nie entscheiden. Brenna lebt mit ihrem Mann in Denver. "Schweigt still die Nacht" ist ihr erster Roman.

Einen Moment lang geschah gar nichts, dann aber leuchtete der Umriss der Tür von innen auf, wie von einem warmen Glühen erfüllt. In der Ferne hörte ich Glocken und wie aus heiterem Himmel überkam mich ein seltsames Gefühl von Unausweichlichkeit. Die Schutthalde war immer dort gewesen, direkt auf der anderen Seite des Zauns hatte sie seit jeher über dem Park aufgeragt. Und auf mich gewartet. (Seite 264)

Rezension:
Mackie Doyle lebt mit seiner Familie in der Kleinstadt Gentry, die lange nicht so beschaulich ist, wie es zunächst vermuten lässt. Denn alle sieben Jahre wird von den Wesen, die unter der Stadt in der Erde leben, ein kleines Kind entführt und durch einen Wechselbalg ersetzt. Die ganze Stadt weiß davon und hat sich damit arrangiert. Auch Mackie ist ein Wechselbalg, er wurde durch den echten Mackie als Baby ausgetauscht und versucht seither, seine wahre Identität zu verbergen.

Und das ist gar nicht so einfach, zumal Wechselbälger sehr allergisch auf Blut und Stahl reagieren. Wenn er damit in Berührung kommt, leidet Mackie unvorstellbare Schmerzen, von denen er sich nur langsam wieder erholt. Als Natalie, die Schwester von Tate, in die Mackie verliebt ist, auch ein Opfer des Austauschrituals wird, kann Mackie nicht mehr tatenlos zusehen. Er will Natalie mit Unterstützung seiner Freunde retten, auch wenn er dadurch seine wahre Identität preisgeben müsste...

"Schweigt still die Nacht" ist der Debütroman der US-Autorin Brenna Yovanoff. Es wird zwar zu Beginn des Romans an schnell sichtbar, dass mit Mackie, dem Ich-Erzähler des Romans, einiges nicht stimmt, doch Genaueres erfährt man in kleinen wohldosierten Häppchen, die die Autorin gekonnt zu setzen weiß.

Die Figur des Mackie ist wunderbar gezeichnet. Seine Gefühle, Ängste und Sorgen sind nachvollziehbar und man leidet als Leser förmlich mit ihm mit, als an seiner Schule eine Blutspendeaktion stattfindet und er fieberhaft versucht, dieser durch Ausreden zu entgehen. Seine Hin- und Hergerissenheit zwischen seiner Herkunft und seinem jetzigen Leben ist sehr spürbar und macht diesen Charakter authentisch.

Seine Freundin Tate hingegen ist mir während des kompletten Buches nicht annähernd sympathisch geworden. Die Trauer über den Verlust ihrer Schwester ist zwar nachvollziehbar, doch ihre Handlungsweise in verschiedenen Situationen einfach überzogen, mitunter recht aggressiv und nur teilweise verständlich.

Leider bleibt auch die von mir erwartete hohe Spannung etwas aus. Bei diesem Thema hätte ich mir einige Gruselszenen mehr gewünscht, das hätte den Roman sicher nicht unglaubhafter gemacht oder ihm geschadet. Trotzdem ist natürlich eine gewisse Spannung vorhanden, die sich gleich zu Beginn des Romans abzeichnet und auch bis zum Ende hin bestehen bleibt. Für ein Debüt ist Brenna Yovanoff eine gute und spannende Geschichte gelungen, die vom bildreichen und detaillierten Schreibstil profitiert.

Laut Brenna Yovanoffs Webseite wird "Schweigt still die Nacht" ein Stand Alone-Roman bleiben, wobei sie aber nicht ausschließt, dass Mackie und seine Freunde nochmals in einem anderen Roman einen Auftritt haben werden. Im Herbst soll bereits ihr nächster Roman, der momentan den Titel "The Space Between" trägt, im Original erscheinen.

Zur Gestaltung des Buchs: Zentrum des Covers bildet ein altmodischer Kinderwagen. Über diesem ist, geprägt und in Spotlack, der Buchtitel zu lesen, an dem einzelne Gegenstände aus Metall an Bindfäden hängend über dem Kinderwagen baumeln, wunderbar passend zur Geschichte. Ein silbernes Lesebändchen rundet den Gesamteindruck gekonnt ab.

Fazit: "Schweigt still die Nacht" ist spannend, ohne übermäßig gruselig zu sein - Brenna Yovanoffs Debüt ist dennoch gelungen und profitiert vom bildreichen und detaillierten Schreibstil der Autorin, auf deren nächsten Roman ich gespannt bin.

Wertung: 4 von 5 Punkten

Cover vs. Cover:

















Links das deutsche Cover, rechts das Cover vom Verlag Razorbill: Es unterscheidet sich jetzt nicht großartig, aber beim deutschen Cover gefallen mir die sehr dunkel gehaltenen Ecken besser. Beim Originalcover wiederum finde ich die Umsetzung mit dem Zweig, an dem die metallenen Gegenstände hinunterbaumeln, besser gelöst als bei der deutschen Ausgabe.

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