Rezension: Beate Teresa Hanika - Rotkäppchen muss weinen

3.2.11

Titel: Rotkäppchen muss weinen
Autorin: Beate Teresa Hanika
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: Fischer Schatzinsel (Februar 2009)
ISBN:
978-3-596-85336-6
Gebunden, 224 Seiten
Preis: 12,95 €
Leseprobe

auch als Taschenbuch-Ausgabe erhältlich:
ISBN:
978-3-596-80858-8
Broschiert, 224 Seiten
Preis: 6,95 €

Kurzbeschreibung:
Er nennt sie Rotkäppchen, als er sie mit einem Korb am Fahrradlenker den Berg hinabfahren sieht. Rotkäppchen - weil in dem Korb Wein und Essen sind für den Großvater, dessen Einsamkeit nur ein Vorwand ist. Rotkäppchen - weil der Weg aus dem Wald dunkel und steinig ist. Rotkäppchen - weil der Wolf sie längst in seiner Gewalt hat...

Zur Autorin:
Beate Teresa Hanika, geboren 1976 in Regensburg, ist Fotografin. Ab 1997 arbeitete sie mehrere Jahre als Model in verschiedenen europäischen Städten. Bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und Gedichte. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg. "Rotkäppchen muss weinen" ist ihr erster Roman und wurde ausgezeichnet mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2007.

Ich hab diese Gespräche im Kopf durchgespielt, von Anfang bis Ende, jedes Wort, wie es angefangen hat, damals als Opa so betrunken nach Hause kam, und dann jeden Freitag nach der Klavierstunde im Badezimmer, dass er gesagt hat, wir tun es der Oma zuliebe, denn die Oma kann nur gesund werden, wenn es auch dem Opa gut geht. (Seite 210)

Rezension:
Malvina ist dreizehn Jahre alt. In zwei Wochen, nach den Osterferien, feiert sie ihren vierzehnten Geburtstag. Vor kurzem ist ihre Großmutter gestorben. Da sie die Lieblingsenkelin ihres Opas ist, der seit dem Tod seiner Frau kränkelt und der Rest der Familie nur mäßiges Interesse an ihm zeigt, besucht sie ihn täglich.

Doch diese Besuche werden Malvina immer mehr zuwider, denn es wird nach und nach klar, dass ihr Großvater sie seit kleinster Kindheit an missbraucht. In Rückblenden erzählt Malvina ihre Geschichte vom Anfang des Missbrauchs, bei dem ihre Großmutter tatenlos zusah, bis hin zur Konfrontation mit ihrer Familie, die ihr anfangs keinen Glauben schenkt und sie nur belächelt, wenn sie sagt: Großvater küsst mich... Doch als sie in den Ferien den Jungen Klatsche näher kennenlernt und sich beginnt in ihn zu verlieben, schafft es Malvina ihr jahrelang streng gehütetes Geheimnis preiszugeben.

Beate Teresa Hanika ist mit ihrem Roman "Rotkäppchen muss weinen" ein eindringliches und sehr authentisches Buch gelungen. Die Figuren sind glaubwürdig und nachvollziehbar gezeichnet: Der Vater Malvinas, der mit seiner Familie überfordert und cholerisch veranlagt ist. Die Mutter, die keine eigene Meinung zu haben scheint und immer nur Migräne hat, ihre Schwester Anne, zu der Malvina seit einiger Zeit keinen Zugang mehr findet und ihr Bruder Paul, der studiert, nur an den Wochenenden nach Hause kommt und Malvinas Sorgen nicht verstehen kann.

Wirklich abgestoßen hat mich der Charakter der Großmutter, die bereits an Krebs verstorben ist, aber deren Verhalten in Rückblenden Malvinas schockiert. Sie weiß genau, was zwischen ihrem Mann und ihrer Enkelin vorgeht, doch versucht sie stets, es zu ignorieren und vor den anderen Familienmitgliedern geheim zu halten. Malvinas aufkeimende Freundschaft zu Klatsche und ihre beste Freundin Lizzy bestärken sie darin, ihre tragische Geschichte zu erzählen.

Vor allem die Freundschaft zu Klatsche wird von Beate Teresa Hanika sehr gefühlvoll erzählt. Und auch im Umgang mit Lizzy kann Malvina ein richtiger junger Teenager sein, im Gegensatz zu den Szenen, wenn sie bei ihrem Großvater ist, der sie "meine kleine Frau" nennt. Hier machen sich die krassen Gegensätze von Malvinas Leben sehr deutlich.

Ich kann "Rotkäppchen muss weinen" uneingeschränkt empfehlen. Beate Teresa Hanika ist es mit ihrem Debütroman gelungen, das schwierige Thema Missbrauch in der eigenen Familie gefühlvoll und doch eindringlich zu schildern, sodass der Roman und die Geschichte seiner Protagonistin noch lange im Kopf bleibt und nachhallt.

Zur Gestaltung des Buchs: Auf dem Cover ist eine angedeutete Wiese mit verschiedenen Blumenblüten in hellen Farbtönen zu sehen, die sehr gut zum Romanthema und der gefühlvollen Sprache des Buches passt.

Fazit: Ein schwieriges Thema, das von der Autorin mit viel Gefühl und Eindringlichkeit beschrieben wird - uneingeschränkt empfehlenswert!

Wertung: 5 von 5 Punkten

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3 Kommentare

  1. Hallo!

    Ich habe dir gerade einen Blog-Award verliehen :)

    Schau mal hier: http://claudias-buecherregal.blogspot.com/2011/02/blog-award-1-versatile-blog.html

    Liebe Grüße
    Claudia

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  2. Hallo!
    Eine sehr gute Rezension über ein, wie ich finde sehr gutes Buch. Mich hat Malvinas Geschichte berührt, man möchte das Mädchen am liebsten auffangen und alle anderen "wach rütteln".
    Ich frage mich, warum menschen so sein können wie in diesem roman beschrieben und bin (negativ) überrascht, dass Verdrängung so einfach zu sein scheint....

    Mit freundlichen Grüßen,
    Melanie F.

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  3. @Melanie F.: Vielen Dank :) Mir ist die Geschichte auch noch einige Tage in Gedanken geblieben...und wenn ich jetzt an den momentanen Fall in Fluterschen denke, kann ich einfach nicht verstehen, warum viele Menschen die Augen bei diesem Thema verschließen :(

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