Rezension: Antje Wagner - Unland

10.1.11

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: Bloomsbury (September 2010)
ISBN:
978-3-8270-5339-8
Gebunden, 384 Seiten
Preis: 16,90 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an Antje Wagner und Bloomsbury)

Kurzbeschreibung:
Die vierzehnjährige Franka ist der "Neuzugang" im Haus Eulenruh, einem Wohnprojekt für sieben Kinder und Jugendliche. Doch irgendetwas stimmt nicht in dem kleinen Elbdorf. Wieso schweigen die Erwachsenen so beharrlich, wenn man sie auf Unland, diese düstere Ruinenlandschaft am Waldrand, anspricht?
Als eines Tages zwei Jungen aus dem Haus Eulenruh verdächtigt werden, einen mysteriösen Diebstahl begangen zu haben, gründet Franka eine Bande. Während die "Eulen" versuchen herauszufinden, wer hinter der Verleumdung steckt, stoßen sie auf ein viel größeres und unheimlicheres Geheimnis.

Zur Autorin:
Antje Wagner, geboren 1974 in Lutherstadt Wittenberg, studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften in Potsdam und Manchester. Sie schreibt Romane und Erzählungen und übersetzt auch aus dem Englischen. Zuletzt erschien von ihr der Roman "Hinter dem Schlaf" (KiWi 2005). 2009 erhielt sie den Mannheimer "Feuergriffel" für Kinder- und Jugendliteratur.

Es waren keine Glühwürmchen. Es waren Lichter. Lichter in Unland. Sie bewegten sich zwischen den Mauern. Und plötzlich erloschen sie. Ich starrte durch das Fernglas in die tiefe Schwärze, aber nichts passierte mehr. Die Lichter waren fort, als hätte es sie nie gegeben. (Seite 238)

Rezension:
Die 14-jährige Franka Reinhold wuchs bei einer Pflegefamilie auf. Nachdem ihre Pflegemutter Martina an einem Hirnschlag verstorben ist, wird sie in ein Wohnprojekt vermittelt, das in der kleinen Stadt Waldburgen liegt. Andreas und Vera Kämpf nehmen sich dort sieben Kindern und Jugendlichen an. Franka findet schnell Anschluss, vor allem mit den Zwillingen Ann und Lizzie versteht sie sich auf Anhieb.

Doch schon bald bemerkt Franka, dass in Waldburgen nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Am Waldrand liegt ein brachliegendes Gebiet mit alten Häuserruinen, das von den Anwohnern "Unland" genannt wird und mit einem unter Strom stehenden Zaun gesichert ist, was Franka bald an eigenem Leib erfahren muss. Außerdem leidet Waldburgen immer wieder unter unerklärlichen nächtlichen Stromausfällen, die die Bewohner in Angst und Schrecken zu versetzen scheinen.

Haben die Stromausfälle und "Unland" irgendwelche Gemeinsamkeiten und Parallelen? Franka will das zusammen mit ihren Freunden Ann, Lizzie, Matthias, Ricardo und Valerie herausfinden. Doch was die Freunde bald erkennen müssen, wiegt schlimmer, als jeder von ihnen angenommen hat...

"Unland" beginnt als Jugendbuch, in dem der Leser Franka und ihre Geschichte kennenlernt. Wie sie in Waldburgen ankommt, wie die Bewohner und auch ihre Mitschüler sie misstrauisch beäugen und wie sie auch von manchen Klassenkameraden regelrecht gemobbt wird. Doch dann entwickelt sich der Roman mehr und mehr zu einem Mystery-Thriller, denn es passieren gehäuft unerklärliche Vorfälle.

Sehr gut gefallen haben mir die Charakterisierungen der einzelnen Bewohner des Hauses Eulenruh. Denn jedes Kind und jeder Jugendliche hat seine eigene Vorgeschichte, die meist recht tragisch verlief und somit wird jeder Nebencharakter an der Seite Frankas näher und eingehender beleuchtet und nicht nur als Staffage behandelt.

Die Geschichte an sich wird von Kapitel zu Kapitel spannender und unheimlicher. Die Lösung, was es nun mit Unland genau auf sich hat, wird erst auf den letzten Seiten aufgeklärt und erschreckt. Das doch recht offen gehaltene Ende lädt zum Spekulieren ein, was mir aber nicht ganz so gut gefallen hat. Ich hätte ein in sich abgeschlossenes Ende der Geschichte bevorzugt, da ich nicht wirklich ein Freund von offen gehaltenen Abschlüssen bin, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Mir hat die Grundidee von "Unland" sehr gut gefallen und Antje Wagners Schreibstil ist angenehm zu lesen, die jugendliche Sprache ist authentisch und nicht zu überdreht, wie in manch anderen Jugendbüchern, dargestellt. "Unland" möchte ich jugendlichen als auch erwachsenen Lesern empfehlen, die auf der Suche nach einer guten Mischung Spannung und Mystery mit einer verblüffenden Lösung des Geheimnisses sind.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist in dunklen Farben gehalten. Im Hintergrund sieht man eine Wiese mit einem Zaun und vier Silhouetten von Jugendlichen. Der Buchtitel wird in einem knalligen Pink in Spotlackoptik hervorgehoben.

Fazit: "Unland" besticht durch eine gekonnte Mischung aus Jugendbuch, Spannung, Mystery und einem ungewöhnlichen Abschluss. Ich kann und möchte es gerne weiterempfehlen und hoffe, dass dieses Buch noch viele begeisterte Leser finden wird.

Wertung: 4 von 5 Punkten

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