Rezension: Antje Wagner - Schattengesicht

5.1.11

Titel: Schattengesicht
Autorin: Antje Wagner
Genre: Krimi
Verlag: Querverlag (September 2010)
ISBN:
978-3-89656-180-0
Broschiert, 192 Seiten
Preis: 12,90 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an Antje Wagner und den Querverlag)

Kurzbeschreibung:
Mila ist sechsundzwanzig und eigentlich Lehrerin. Doch dann begeht ihre Freundin Polly einen Mord für sie und die beiden flüchten vor der Polizei.
Auf ihrer Odyssee geraten Mila und Polly immer wieder an gefährliche Menschen und in lebensbedrohliche Situationen, der Tod scheint sie zu verfolgen. Mit dem wenigen Geld, das Mila mit schlecht bezahlter Schwarzarbeit verdient, halten sie sich über Wasser. Sie leben in Abrisshäusern und brechen oft über Nacht alle Zelte ab, nur um in einer neuen Stadt wieder auf Pollys Fahndungsfotos zu stoßen. Das einzig sichere Versteck und mögliche Endstation ihrer Flucht scheint ein leerstehendes Haus in Schweden zu sein, von dem nur sie beide wissen.
Doch nicht allein das Sterben umgibt die Freundinnen wie eine Aura. Etwas Ungreifbares, Rätselhaftes schwebt über den doch so unterschiedlichen Frauen: Ist wirklich allein ihre Freundschaft der Grund für den Zusammenhalt? Der Blick zurück in die gemeinsame Kindheit lüftet ein dunkles Geheimnis, das Mila und Polly untrennbar, auf beinahe obsessive Art, miteinander verbindet.

Zur Autorin:
Antje Wagner, 1974 in Lutherstadt Wittenberg geboren, schreibt Erzählungen und Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt in Potsdam und arbeitet auch als Sprecherin und als Übersetzerin aus dem Englischen. Ihr Thriller "Unland" (2009) wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem ver.di Literaturpreis. Im Querverlag erschien von ihr zuletzt der Erzählband "Die ärten bist du" (2003). "Schattengesicht" ist ihr erster Kriminalroman.

"Er hat es mit allen gemacht", sagte Polly. Er hatte sie ausgefragt, ihre Stärken und Schwächen, ihre Träume und Ängste gesammelt, sie zusammengefegt wie Dreck, um sie ihnen dann in die Augen zu werfen. Er hatte sie alle blind gemacht, und alle hatten sie ihm vertraut. (Seite 95)

Rezension:
Mehr zum Inhalt von "Schattengesicht", wie ich bereits in der Kurzbeschreibung geschrieben habe, möchte ich nicht verraten, denn das würde einfach zu viel von dieser Geschichte preisgeben. Der Roman erzählt die Geschichte von Milana und Polly, die seit ihrer Kindheit miteinander befreundet sind. In 6 Kapiteln wird rückwärts von der Gegenwart bis hin zu ihrer Kindheit vorwiegend die bisherige Lebensgeschichte von Milana erzählt, von ihrer gemeinsamen Flucht mit Polly in immer wieder neue Städte und den Morden, die sie begehen bis zu ihrem gemeinsamen Kennenlernen an einem Dorfweiher.

Und egal, wo die beiden gemeinsam auftauchen, sobald Polly den Mund aufmacht, schrecken die Leute zurück und/oder werden aggressiv gegen die beiden. Doch warum ist das so? Diese und viele andere Fragen werden Stück für Stück von Antje Wagner beantwortet, aber nicht ohne den Leser gefühlte hundert Male zu täuschen, ihm andere vermeintliche Wege aufzuzeigen und ihn dann doch mit seiner erhofften Antwort im Regen stehen zu lassen.

Trotz oder vielleicht auch wegen seiner nicht übermäßigen Dicke von 188 Seiten schafft es dieser Roman zu fesseln, denn Antje Wagner beschränkt sich wirklich auf das Wesentliche, packt diese ganze unvorstellbare Geschichte in kurze, knappe Abschnitte, besser geht es aus meiner Sicht nicht.

Die Lösung am Ende hatte mich zwar nicht ganz so sehr überrascht, da ich ähnliches bereits im Hinterkopf hatte, doch wirkt alles schlüssig und stimmig in einem angenehm zu lesenden und klaren Schreibstil. Ich würde "Schattengesicht" jedoch nicht als Krimi einstufen, auch wenn mehrere Morde geschehen. Vielmehr handelt es sich meines Erachtens um ein Psychogramm einer Freundschaft, die in eine Art Abhängigkeit führt.

Zur Gestaltung des Buchs: Auf dem Cover wurde eine eingeworfene und kaputte Fensterscheibe in Schwarz-Weiß abgebildet, was sich sehr stimmig und passend in die Geschichte eingliedert.

Fazit: Von außen unauffällig, aber die Füllung überzeugt auf ganzer Linie: "Schattengesicht" muss man gelesen haben!

Wertung: 5 von 5 Punkten

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1 Kommentare

  1. Mir hat "Schattengesicht" genauso gut gefallen, ein wahrlich "irre" Buch"

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