Rezension: Bianka Minte-König - Die dunkle Chronik der Vanderborgs: Estelle - Dein Blut so rot

23.12.10

Titel: Die dunkle Chronik der Vanderborgs: Estelle - Dein Blut so rot
Reihe: Die dunkle Chronik der Vanderborgs # 1
Autorin: Bianka Minte-König
Genre: Fantasy
Verlag: Otherworld (September 2010)
ISBN:
978-3-8000-9524-7
Broschiert, 423 Seiten
Preis: 16,95 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an Otherworld)

Kurzbeschreibung:
Blankensee, im Juni 1904
Ich schreibe dieses Buch in großer Verzweiflung...
Die Frau, die mit diesen Zeilen zur Chronistin des dunklen Zweiges der Familie Vanderborg wird, hat alles gesehen: Vedammt zu einem Dasein als Vampirin treibt die Rache sie seit ewigen Zeiten als Untote durch halb Europa. Nun findet sie Zuflucht in einem neuen Körper. Aus Eleonore wird Estelle, und die steht am Anfang ihres Lebens und eines neuen Jahrhunderts, das bessere Zeiten verspricht. Aber die Vergangenheit holt sie gnadenlos ein, und als Estelle dem Mann ihrer Liebe begegnet, ist sie bereits einem anderen im Wort...

Zur Autorin:
Bianka Minte-König, in Berlin geboren, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Professorin für Literatur-, Theater- und Medienpädagogik. Mit zwei Millionen Jugendbüchern hat sie sich in die Bestsellerlisten und die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben und ist auch im All-Age-Bereich mit romantischen Mystery- und Frauenromanen erfolgreich. "Die dunkle Chronik der Vanderborgs" ist Bianka Minte-Königs konsequenter Schritt ins Erwachsenensegment. Dem Genre des historischen Vampirromans fügt sie mit dieser opulenten, auf drei Bände ausgelegten Familiensaga eine überraschende neue Facette hinzu.

Ich wischte mir mit dem Handrücken mechanisch über die Lippen und tatsächlich klebte noch Blut daran. Ich war enttarnt. Tausende panikartiger Gedanken und Gefühle stürzten gleichzeitig auf mich ein, doch nichts davon war geeignet, mich zu beruhigen und mir einen Ausweg aus dieser mehr als misslichen Situation zu weisen. Vermutlich, weil es keinen gab. (Seite 277)

Rezension:
"Estelle - Dein Blut so rot" ist der Auftakt zur "Die dunkle Chronik der Vanderborgs"-Reihe, eine auf drei Bände angelegte Familiensaga. Estelle ist mit ihrem Vater, dem Erfinder Vanderborg, und ihrem Bruder Friedrich in Polen auf der Jagd nach einem Vampir, den er mithilfe eines von ihm erfundenen Apparates einfangen will.

Doch leider missglückt dieses Vorhaben erheblich. Denn bei einem Blitzschlag wird Estelle getroffen und in sie fährt die Vampirin Eleonore, die fortan nun in Estelles Körper leben muss, während Estelle selbst stirbt. Estelle macht eine für ihre Familie nicht ganz nachvollziehbare Wandlung durch: Sie meidet auf einmal das Tageslicht und hält sich nur noch in abgedunkelten Räumen auf. Ihr Vater möchte sie alsbald reich verheiraten, denn zwischen Estelle und Friedrich, ihrem Bruder, entwickelt sich eine starke Anziehungskraft, die nichts mehr mit einer normalen Geschwisterliebe zu tun zu haben scheint und die ihrem Vater ein großer Dorn im Auge ist.

Es findet sich, schneller als Estelle das möchte, bald schon ein geeigneter Bewerber: Der Unternehmer Karolus Utz macht Estelle den Hof, die sich aber bereits in Amadeus verliebt hat, einen Soldaten, und mit dem sie alsbald eine Affäre beginnt. Doch Estelle willigt schließlich in die Hochzeit ein, denn Utz und sein Vermögen können ihr und ihrer Familie sehr hilfreich sein. Wird es Estelle gelingen, ihr Vampirdasein vor ihrer Familie, ihrem Ehemann und ihrem Geliebten weiterhin verbergen zu können oder wird der Reporter Ludolf Radke, der bereits auf ihrer Spur ist, Estelle enttarnen?

Das Buch ist im anbrechenden 20. Jahrhundert angesiedelt. Das wird auch sofort deutlich an der Sprache, der sich die Autorin Bianka Minte-König bedient. Daher hatte ich anfangs etwas Mühe, in die blumig gehaltene Ausdrucksweise hinein zu finden.

Gut gelungen finde ich die historischen Begebenheiten, die von der Autorin mit eingestreut wurden, zum Beispiel die Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 oder auch den Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914. Estelle als Hauptfigur ist sehr interessant gezeichnet, man bekommt durch Rückblenden viel aus ihrem bisherigen Leben mitgeteilt und sie ist auch nicht der "typische" rücksichtslose Blutsauger, sondern vielmehr eine Frau, die einfach ihr Leben leben und sich mit ihrer Menschengestalt als Estelle arrangieren möchte.

Glaubhaft ist auch die Schilderung ihres Zwiespalts, denn einerseits möchte sie als Estelle ein normales Leben führen, dass ihr Vampirdasein aber in vielen Punkten vereitelt, denn sie kann nur durch Blutmahlzeiten weiter existieren und diese nimmt sie dann gezwungenermaßen in aller Heimlichkeit zu sich, in dem sie sich nachts aus dem Haus schleicht und sich ihr Opfer in Spelunken und Bordells sucht.

Ich möchte "Estelle - Dein Blut so rot" Lesern empfehlen, die gerne einmal einen historischen Vampirroman verbunden mit einer Liebesgeschichte lesen möchten und sich nicht von der anfangs etwas irritierenden blumigen Ausdrucksweise "abschrecken" lassen, denn sobald einen die Geschichte gefangen genommen hat, fliegen die Seiten nur noch vor sich hin.

Im Frühjahr 2011 soll bereits der nächste und somit zweite Band der Reihe erscheinen, der sich mit der Tochter von Estelle beschäftigen wird: "Die dunkle Chronik der Vanderborgs: Amanda - Deine Seele so wild".

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist in recht hellen Farben gehalten. Leider gefällt mir das Porträt der abgebildeten Frau nicht so recht, da sie sehr androgyn wirkt und ich es nicht ganz so passend zu der Zeit, in der der Roman spielt, finde. Am unteren Ende ist ein Fledermausschwarm abgebildet, der, wie Autorenname und Buchtitel in Spotlackoptik hervorgehoben wird.

Fazit: "Estelle - Dein Blut so rot" ist ein gelungener Auftakt zur Familiensaga der Vanderborgs, die Vampirgeschichte, Historie und Liebesroman auf gekonnte Art und Weise in sich vereinen. Ein kleiner Minuspunkt bleibt die blumige Sprache, die an manchen Stellen etwas übertrieben wurde. Empfehlenswert!

Wertung: 4 von 5 Punkten

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2 Kommentare

  1. Das ist ja mal ein komplett anderes Genre, als Bianka Minte-König sonst schreibt. Ich kenne sie noch gut aus der Freche-Mädchen-Reihe.
    Toller Blog übrigens, ich hab ihn mal auf meinem Blog verlinkt:)

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  2. @Puzzeline: Von dieser Reihe war mir die Autorin auch vom Hörensagen bekannt, gelesen habe ich die Serie selbst nicht. Danke für dein Kompliment, ich verlinke dich auch mal bei mir (man kann ja nie genug tolle Blogs in der Blogroll haben) ;)
    Frohe Weihnachten!

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