Rezension: Anthony McGowan - Der Tag, an dem ich starb

21.12.10

Titel: Der Tag, an dem ich starb
Originaltitel: The Knife that killed me
Autor: Anthony McGowan
Genre: Jugendbuch (ab 13 Jahren)
Verlag: Ravensburger Buchverlag (Mai 2009)
ISBN:
978-3-473-35309-5
Gebunden, 256 Seiten
Preis: 16,95 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an den Ravensburger Buchverlag)

Kurzbeschreibung:
An Pauls Schule regiert der Terror. Und der Terror hat einen Namen: Roth. Er und seine Gang brutaler Schläger demütigen, erpressen, prügeln - ihr Hass ist schier grenzenlos. Angst kennen sie nicht, aber sie können sie wittern wie Raubtiere. Auch Paul hat Angst, große Angst, und er kann nur hoffen, dass Roths Killerinstinkt dieses eine Mal versagt.

Zum Autor:
Anthony McGowan wurde 1965 in Manchester geboren, wuchs in Leeds auf und lebt heute in London. Bevor er sich ausschließlich dem Schreiben widmete, promovierte er in Philosophie und arbeitete unter anderem als Journalist und als Türsteher in einem Nachtclub. "Der Tag, an dem ich starb" ist sein dritter Roman für Jugendliche.

Ich wehrte mich gegen die Hände in meinem Gesicht, wehrte mich gegen Roth, der mich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Wand drückte, wehrte mich mit aller Kraft, aber ich war wie ein weiches Tier, das sich unter den Ketten eines Panzers windet. Und Roth lachte. (Seite 170)

Rezension:
Paul geht auf eine Schule, die schlimmer nicht sein könnte: Dieser Ort ist die Hölle! Gewalt, Prügeleien und Demütigungen stehen auf der Tagesordnung. Die Lehrer schauen entweder darüber hinweg, zu feige sich einzumischen oder scheuen genauso wenig vor der Schikane zurück.

Ausgerechnet Paul wird von der Person, vor der er am meisten Angst hat, zum neuen Kameraden ausgewählt. Roth ist der brutalste Schläger der Schule, der mit seiner Gang jeden in Atem hält. Obwohl Paul sich so unauffällig wie möglich verhält, wird Roth eines Tages auf ihn aufmerksam und erteilt ihm den Auftrag, ein Päckchen zu einem Schüler der verhassten Temple Moor Schule zu bringen.

Etwa zur gleichen Zeit freundet sich Paul mit Shane und seinen Freunden an, den sogenannten "Freaks". Sie sind vollkommen anders als Roth und seine Kumpane, sie strahlen eine gewisse Ruhe aus und sind sehr liberal eingestellt. Nun gerät Paul zwischen die Fronten: Eigentlich möchte er lieber mit Shane und seiner Clique befreundet sein, als zu Roth und seinen Schlägern zu gehören. Doch bleibt ihm überhaupt eine Chance, sich das selbst aussuchen zu dürfen?

Am Titel des Buches und bereits im ersten Kapitel ist klar, was mit Paul passieren wird. Er wird getötet. Doch hält dies am Ende des Romans noch eine überraschende Wendung bereit, mit der man als Leser gar nicht rechnet.

Anthony McGowan beschreibt eine Schule, die die Hölle darstellt. Es finden nicht nur harmlose Rangeleien statt, sondern es geht richtig zur Sache. Von Demütigungen bis zu wirklich brutaler Gewalt und Perversitäten ist hier alles vorhanden. Und das Schlimmste daran ist, dass kein Mensch einschreitet. Jeder versucht für sich das Beste rauszuschlagen, indem man sich so unauffällig wie nötig verhält, stur auf den Boden schaut, um ja keinen Anlass für irgendwelche Pöbeleien zu geben.

Die Lehrer handeln nach der gleichen Devise oder schikanieren die Schüler auf ihre Art und Weise. Da Pauls Geschichte aus seiner Ich-Perspektive geschildert wird, ist der Leser bei allem hautnah dabei und an manchen Stellen musste ich wirklich schlucken, da ich nicht verstehen konnte, dass kein Mensch diesen ganzen furchtbaren Dingen Einhalt gebietet oder sich die Schüler nicht gegen die brutalen Schläger zusammen tun und sich gegenseitig helfen.

Das Buch endet nicht mit einem Happy End, das hätte auch nicht zur Glaubhaftigkeit beigetragen. Vielmehr ist der Roman deprimierend, verstörend und düster - denn leider kennt man solcher Art Vorfälle ja auch bereits aus dem realen Leben, wenn auch noch nicht in so krassen Ausmaßen. Ich kann "Der Tag, an dem ich starb" nur empfehlen, vielleicht sogar als Unterrichtslektüre ab der 8. Klasse, und hoffen, dass sich solche Zustände in derart gewaltigem und zerstörerischem Gewand niemals an einer Schule abspielen werden.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover zeigt eine Messerklinge in Großaufnahme, an der Blutstropfen hängen. Somit wird schon von Anfang an klar, was das Thema dieses Romans ist.

Fazit: Anthony McGowan hat mit "Der Tag, an dem ich starb" ein aufrüttelndes und erschreckendes Buch über eine Schule geschrieben, an der Gewalt an der Tagesordnung ist. Ein absolutes Lese-Muss, das den Leser nicht kalt lässt und noch lange nachhallt.

Wertung: 5 von 5 Punkten

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6 Kommentare

  1. Wow das klingt ja richtig toll! Werde ich auch gleich beantragen.

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  2. @Chrisu: Na, dann hoffe ich mal, dass es dir auch so gut gefällt. Obwohl das Wort "gefallen" bei sich bei dieser Lektüre etwas komisch anhören mag... :)

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  3. Huhu Kerstin!
    Da Ivy gerade das Buch liest und ich deinen Kommentar gelesen habe, musste ich mir unbedingt deine Rezension durchlesen. Das Buch ist ja der Wahnsinn und diese Schule muss wahrlich die Hölle auf Erden sein. "Der Tag, an dem ich starb" - gehört sicherlich zu den spannenden UNTER-DIE-DECKE-Kriech Schmökern. Etwas zum zittern und mitbangen. So etwas mag ich. Wenn man dann noch während des lesens Ausrufe startet wie: Das darf doch nicht wahr sein, Ach du liebe ...., oder oooh NEIN - dann muss ich dieses Buch unbedingt haben. Deine Rezension klingt aber wirklich finster. Mein lieber Schwan.

    Auch dir meine liebe Kerstin wünsch ich ein traumhaftes Weihnachtsfest ;)
    Viele liebe Grüße, Deine Tanja

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  4. @Tanja: Ja, das ist es wirklich: finster und auch verstörend, aber ausnehmend gut geschrieben vom Autor.
    Auch dir und deiner Familie wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und frohe Festtage :)
    viele Grüße, Kerstin

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  5. Steht schon auf meiner Wunschliste!
    Herzel DICH und alles alles Liebe, Tanja :)
    Bis die Tage!

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  6. ich habe das Buch auch die Tage gelesen und es hat mir auch super gefallen

    LG Kerry

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