Rezension: Sara Zarr - Zicke

25.11.10

Titel: Zicke
Originaltitel: Story of a Girl
Autorin: Sara Zarr
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Verlag: Aufbau-Verlag (August 2010)
ISBN:
978-3-351-04117-5
Broschiert, 240 Seiten
Preis: 12,95 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an den Aufbau-Verlag)

Kurzbeschreibung:
Manchmal kommt das Rettende zu dir. Es taucht einfach auf. Vielleicht verdienst du es, vielleicht nicht. Doch wenn es kommt, sei bereit zu entscheiden, ob du die ausgestreckte Hand annehmen und dich ans Ufer ziehen lassen willst.
Ein Auto, eine Rückbank, ein Junge, die dreizehnjährige Deanna und ihr Vater: Seit sie vor vier Jahren mit Tommy erwischt wurde, ist sie abgestempelt. Ihr Dad spricht nur das Nötigste mit ihr, ihr bester Kumpel ist mit ihrer Freundin zusammen. Doch als wirklich alles um sie herum zusammenzubrechen droht, ist es an der Zeit, sich endlich zu wehren und der Welt direkt in die Augen zu blicken...

Zur Autorin:
Sara Zarr, aufgewachsen in San Francisco und Pacifica, Kalifornien, lebt heute als Autorin in Salt Lake City, Utah. Mit insgesamt sechs Romanen ist sie in den USA bereits eine bedeutende Jugendbuchautorin. "Zicke" ist ihr Erstlingswerk und war ein absoluter Überraschungshit, der es sogar ins Finale des National Book Award, neben dem Pulitzer-Preis der renommierteste Literaturpreis der Vereinigten Staaten, schaffte.

"Wie soll ich meinen Weg da raus finden?", wiederholte ich, während mir Tränen übers Gesicht kullerten. "Wo ich doch jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, mich selbst wiederfinde?!" "Du gehst jetzt besser." Ich öffnete die Tür und trat hinaus auf die Vortreppe. Der Nebel hatte sich jetzt über alles gelegt, schwer und feucht. Ich schlang Jasons Hemd fester um mich. (Seiten 179/180)

Rezension:
"Zicke" erzählt die Geschichte der 16-jährigen Deanna Lambert, die mit 13 Jahren von ihrem Vater beim Sex mit dem 18-jährigen Tommy auf dem Rücksitz seines Wagens erwischt wurde. Jetzt, drei Jahre nach diesem Vorfall, hat Deanna immer noch mit den Auswirkungen zu kämpfen: In der Schule wird sie aufgezogen, in der Kleinstadt, in der sie wohnt, ist sie immer noch Gesprächsthema und ihr Vater ignoriert sie seitdem, sie ist für ihn praktisch nicht vorhanden.

Doch nicht nur Deanna hat Probleme: Auch ihr Bruder Darren, der früh Vater geworden ist und zusammen mit seiner Freundin Stacy und dem Baby im elterlichen Haus wohnt, sehnt nichts mehr herbei, als eine eigene Wohnung zu haben und schnellstmöglich aus der beengten Wohnsituation auszubrechen.

Wird es Deanna und auch Darren gelingen, für ihre Probleme eine Lösung zu finden und wird sich die gesamte Familie wieder zusammenraufen können, nach alldem was war?

Das Hauptaugenmerk des Buches liegt auf Deanna. Ihre Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Sehr gefallen hat mir Zarrs Schilderung, wie die Teenager in einer kleinen Vorstadt leben, dass kaum Perspektiven vorhanden sind, sich viel Langeweile ausbreitet und die Gedanken stetig darum kreisen, wie man diesem "Kleinstadt-Mief" entkommen kann.

Die Handlung selbst fließt ein wenig träge vor sich hin und ich war mir nie sicher, ob Deanna mir mit ihrer Geschichte nun leid tun sollte oder nicht. Denn sie fühlt sich schuldig, den Fehler mit Tommy begangen zu haben, aber andererseits war es ihre eigene Entscheidung, auch wenn sie erst dreizehn war.

Auch fehlte mir die Kommunikation mit den Eltern: Deanna, ihr Bruder Darren und dessen Freundin Stacy beklagen sich, dass der Vater sie mehr ignoriert als wahrnimmt. Doch sprechen sie das Thema ihm gegenüber nie richtig an, sodass die Chance bestünde, sich einmal in Ruhe zusammenzusetzen und alles anzusprechen, was seit langem fällig wäre, anstatt die Probleme nur in sich hineinzufressen.

Alles in allem ist "Zicke" ein Buch, das man lesen kann aber nicht muss. Das Ende war für mich auch etwas unbefriedigend, da es so scheint, als ob alle Probleme sich dann doch mit einem Mal auflösen und es auf mich den Eindruck machte, abrupt dann doch noch ein Happy-End erzeugen zu wollen.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover des hochformatigen Taschenbuchs erweckt den Anschein eines Notizblocks: Eine linierte weiße Seite mit etlichen Zeichnungen in rot und blau von Dingen, die in Deannas Leben mehr oder weniger eine Rolle spielen, zieren den Einband.

Fazit: "Zicke" von Sara Zarr kann ich Leserinnen ab 13 Jahren empfehlen, die gerne über tiefergehende Teenagerprobleme lesen und keinen allzu großen Wert auf Spannung legen. Bei mir hat Deanna und ihre Familie leider keinen tieferen Eindruck hinterlassen.

Wertung: 3 von 5 Punkten

“post

3 Kommentare

  1. Ich hab es gestern beendet und fand es super. Allerdings weiß ich immer noch nicht, wieso Deanna eine Zicke sein soll. Ich finde, ihre stellenweise leicht patzige Art passt zu ihrem bisherigen Leben. Mit dem Titel hat man einiges kaputt gemacht.

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  2. @kleinbrina: Wahrscheinlich war der Originaltitel "Story of a Girl" nicht ansprechend genug oder zu banal? "Zicke" lässt da vielleicht eher aufhorchen, aber so richtig zum Buch passt der Titel nicht, da gebe ich dir schon recht :)

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  3. Das wäre definitiv mein Geschmack, aber ich habe im Moment gerade 5000 Bücher ersteigert, also mehr als genug zu lesen

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