Rezension: Markus Heitz - Judassohn

8.11.10

Titel: Judassohn
Autor: Markus Heitz
Reihe: Judas # 2
Genre: Urban Fantasy
Verlag: Verlagsgruppe Droemer/Knaur (März 2010)
ISBN:
978-3-426-65225-1
Broschiert, 686 Seiten
Preis: 14,95 €
Leseprobe
(vielen Dank für die Bereitstellung an die Verlagsgruppe Droemer/Knaur)

Kurzbeschreibung:
Sie glaubt, sie sei die Letzte ihrer Art: Theresia Sarkowitz, genannt Sia, ein "Kind des Judas", uralt und ewig jung. Sorgfältig getarnt wacht sie über ihre Nachkommen, eine unschuldige junge Frau und ihr Kind, damit diese nicht dasselbe Schicksal erleiden wie sie - einst als Untote wiederauferstehen zu müssen.
Doch dann taucht eine Gestalt auf, die seit Jahrhunderten nach Sia sucht. Eine Gestalt, deren Kräfte ausreichen, sie zu töten. Und die voll Rachedurst ist...

Zum Autor:
Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und lebt mit seiner Familie in Zweibrücken. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als "die deutsche Geheimwaffe für fantastischen Horror und herausragende Fantasy" (Bild am Sonntag). Mit seiner Bestsellerserie um "Die Zwerge" drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit dem Werwolf-Zweiteiler "Ritus" und "Sanctum" sowie den Vampirthrillern "Kinder des Judas" und "Blutportale" auch die Urban Fantasy.

Schade um sie. Mit ihr als meine Stellvertreterin hätten wir es als Bande weit bringen können. Der beißende, dünne Säurerauch brachte ihn zum Husten. Er schloss zuerst ihr, dann den anderen die Augen. "Es tut mir leid", entschuldigte er sich laut bei den vernichteten Vampyren. "So war euer Ende nicht vorgesehen." (Seite 449)

Rezension:
"Judassohn" ist der zweite Band der "Judas"-Reihe von Markus Heitz. Die Geschichte beginnt mit Theresia Sarkowitz, genannt Sia, einer Judastochter, die sich im Leipzig des Jahres 2008 um ihre Nachfahren Emma und Elena kümmert und die man bereits aus dem vorangegangenen Band "Kinder des Judas" kennt. Am Silvesterabend wird sie Zeugin eines Massakers in der Wohnung Emmas, das eine gewisse Tonja Umaschwili dort anrichtet, bei dem mehr als 50 Menschen umgebracht werden. Tonja behauptet, Sia sei ihre Mutter.

Nach diesem Paukenschlag geht es mit einem zweiten Erzählstrang weiter, der den Leser ins Frankreich des Jahres 1781 führt. Dort lebt Tanguy Guivarch, ein junger Schilfbauer, der durch vermeintliche Strauchdiebe zu Tode kommt, aber doch nicht tot zu sein scheint...Weitere Protagonisten sind Sandrine und Anjanka, die als Liebespaar immer auf der Flucht zu sein scheinen und rastlos durch ganz Europa reisen, Dominic de Marat, ein Hochstapler, der allerdings ein Judassohn zu sein scheint und von seinem Onkel ausgebildet werden soll und zu guter Letzt Harm Byrne, ein brutaler Verbrecher, der in der Londoner Unterwelt das Sagen hat und sich die Liebe von Emma erschleichen will.

Die vielen Personen und Handlungsstränge wirken auf den ersten Blick sehr komplex, doch Markus Heitz versteht es wie im ersten Buch wieder meisterhaft, dies alles zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzuweben. Meiner Meinung nach ist es vorteilhaft, "Kinder des Judas" gelesen zu haben, denn es tauchen gerne mal "Bekannte" aus diesem Buch auf.

Da ich bereits die Werwolf-Bände "Ritus" und "Sanctum" sowie die Vampir-Romane "Kinder des Judas" und "Blutportale" gelesen habe, war ich sogleich wieder im Geschehen gefangen, denn hier sucht man die momentan hippen Vampire à la Twilight vergebens: Die Judaskinder bzw. Werwölfe sind alles andere als zahm, sie sind blutrünstig, brutal, grausam und nur auf ihren Vorteil fixiert, so wie man sie aus Legenden und Erzählungen kennt. Kampfszenen sind sehr ausführlich und anschaulich beschrieben, deshalb empfehle ich das Buch Lesern, die mit solchen Ausführungen keine Probleme haben und sich einmal richtige Gänsehaut über dem Rücken wünschen.

Gefallen haben mir die geschichtlichen Einstreuungen, z.B. die Französische Revolution mit der Stürmung der Bastille und die fiktive erste U-Boot-Fahrt von Sandrine, die sich dank Heitz' Erzählkunst sehr plastisch darstellten, so als wäre man selbst dabei. Ich bin erneut restlos begeistert von diesem zweiten Band der "Judas"-Reihe und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung "Judastöchter", die bereits für Dezember 2010 angekündigt ist.

Zur Gestaltung des Buchs: Eine stabile Klappbroschur, deren Cover eine unheimliche Maske (die auch im Buch mehrfach erwähnt, deren Geheimnis aber noch nicht gelüftet wird) mit Fangzähnen ziert. Autorenname (in Hellgrau) und Buchtitel (in Feuerrot) wurden durch Spotlackoptik hervorgehoben. Am Anfang des Buches wartet "Judassohn" mit einer hilfreichen "Dramatis Personae" auf und es werden besondere Vampirspezies und ihre Eigenschaften näher erklärt. Am Ende des Buches erwartet den Leser eine kurze Leseprobe zu "Judastöchter".

Fazit: So sollten Vampire und Werwölfe sein, fernab von zahmem Gebaren à la "Twilight": Grausam, durstig, brutal, ohne Skrupel - Markus Heitz hat mit "Judassohn" einen würdigen Nachfolger zu "Kinder des Judas" geschrieben, der im wahrsten Sinn des Wortes Durst auf mehr macht - absolutes Lese-Muss!

Wertung: 5 von 5 Punkten

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