Rezension: Helen Vreeswijk - Chatroom-Falle

3.11.10

Titel: Chatroom-Falle
Originaltitel: Chatroom
Autorin: Helen Vreeswijk
Genre: Jugendbuch (ab 13 Jahren)
Verlag: Loewe (August 2010)
ISBN:
978-3-7855-7271-9
Broschiert, 304 Seiten
Preis: 5,95 €
(vielen Dank für die Bereitstellung an den Loewe-Verlag)

Kurzbeschreibung:
Ein regnerischer Tag im Juni, irgendwo in der niederländischen Provinz. Zwei Mädchen liegen bewusstlos hinter einer Bushaltestelle.
Was ist passiert?
Marcia und Floor kennen sich seit der siebten Klasse. Nach der Schule treffen sie sich, um im Internet zu surfen. Denn richtig süße Jungs lernt man nur im Chatroom kennen, davon ist Marcia überzeugt. Dass manche Jungs sie auffordern, sich auszuziehen, macht die Sache nur noch prickelnder. Was können ihnen die Typen hinter ihren Rechnern schon anhaben? Da landet das Angebot einer Modelagentur in Floors Posteingang. Im Internet bewundern die Mädchen die tollen Bilder der Models – um sich dann voller Hoffnungen auf den Weg zum Fotoshooting zu machen.

Zur Autorin:
Helen Vreeswijk arbeitete als Kriminalbeamtin und Fingerabdruckexpertin bei der niederländischen Kripo. Sie ermittelte in Fällen von Entführung, Erpressung, Mord und Zwangsprostitution. Ihre Bücher, in denen Verbrechen gegen und durch junge Erwachsene eine große Rolle spielen, hat Vreeswijk speziell für Jugendliche geschrieben. In den Niederlanden sind ihre Romane, die auf realen Fällen beruhen, Bestseller. Die Autorin ist verheiratet, hat zwei Töchter und wohnt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Arnheim. "Chatroom-Falle" wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 (Jugendjury) nominiert.

Ohne seine Reaktion abzuwarten, loggte Floor sich aus. Wenige Minuten später klingelte ihr Handy. Mit heftig pochendem Herzen starrte sie es an, als wäre es ein widerliches Insekt. Dieser Typ kannte ihren Namen, ihre Adresse und ihre Telefonnummer. Vor Angst wurde ihr übel. (Seite 112)

Rezension:
Die beiden 15-jährigen Freundinnen Marcia und Floor könnten unterschiedlicher nicht sein: Marcia ist selbstbewusst und kontaktfreudig, Floor das eher schüchterne und introvertierte Mädchen. Marcia chattet seit längerer Zeit in diversen Foren mit Jungs, sie hat dort sogar ihre vermeintliche große Liebe Erik kennengelernt und fiebert dem ersten "realen" Treffen entgegen. Floor lässt sich von ihrer Freundin anstecken und erstellt auch ein Profil von sich auf einer Flirtseite.

Dann flattert eines Tages eine E-Mail einer Modelagentur in Floors Posteingang, in der sie um Kontaktaufnahme gebeten wird, da ihre Bilder der Agentur sehr gut gefallen und sie sie gerne als Model engagieren würden. Auch Marcia bewirbt sich bei "Make It" und so machen sich beide hoffnungsfroh auf zu ihrem ersten Probeshooting...

Der Roman beginnt damit, was Floor und Marcia nach dem Shooting passiert ist. Sie wurden, wie man auch bereits dem Klappentext entnehmen kann, desorientiert bzw. bewusstlos von einem älteren Ehepaar an einer Bushaltestelle entdeckt. Wie es genau dazu kam, das wird in den nachfolgenden Kapiteln, die ca. 3 Wochen vor diesem Vorfall einsetzen, erzählt.

Da man als Leser bereits weiß, dass die Geschichte nicht gut für die beiden Mädchen ausgehen wird, liest man voller Erstaunen die Vorgeschichte: Man fragt sich, wie naiv und vertrauensselig Marcia und Floor in einer unbekümmerten Weise mit ihnen fremden Menschen chatten und sogar für manche vor der Webcam die Hüllen fallen lassen.

Als Floors Mutter von dem Modelagentur-Angebot erfährt und sich darüber sehr freut, ohne das Ganze in irgendeiner Form zu hinterfragen, mit der Agentur selbst in Kontakt zu treten oder in irgendeiner Form zu recherchieren, blieb mir ob solch einem Verhalten regelrecht die Luft weg! Daran kann man recht gut erkennen, dass selbst viele Erwachsene diesem Thema noch recht wenig Aufmerksamkeit schenken und das Chatten ihrer Kinder auf diversen Plattformen als harmloser Spaß abgetan wird.

"Chatroom-Falle" ist aus der Perspektive des neutralen Beobachters geschrieben und es werden einige Kapitel eingestreut, die die Handlungs- und Vorgehensweise des Täters näher beschreiben. Auch wenn von Anfang an klar ist, dass Floor und Marcia durch ihre Naivität in große Gefahr geraten, ist Helen Vreeswijk mit "Chatroom-Falle" ein sehr eindringliches und spannendes Buch gelungen, dass mit den beiden Mädchen mitzittern lässt.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover zeigt einen leeren, ungepflegten Raum mit einem aufgewühlten Bett darin, auf dem ein Fotoapparat liegt. Der Raum strahlt etwas Bedrohliches aus und man kann ihn sich gut als Teil der Wohnung der angeblichen Modelagentur vorstellen.

Fazit: Ich möchte "Chatroom-Falle" als ein wirkliches Lese-Muss Jugendlichen ab 13 Jahren ans Herz legen, die viel Zeit im Internet/mit Chatten verbringen und dies vielleicht (manchmal) zu sorglos. Das Buch schildert in drastischen Worten, was passieren kann, wenn man sich zu sicher vor dem eigenen Monitor fühlt.

Wertung: 5 von 5 Punkten

“post

3 Kommentare

  1. Ich frage mich, ob es wirklich mädchen gibt, die so bescheuert sind? Vor allem zu einer "Model Agentur" zu gehen ist ja wohl der Gipfel der Naivität?
    Allerdings glaube ich, dass das Buch ziemlich unrealistisch ist, man sieht ja auch imemr iweder solche Sachen im Nachmittags-Fernsehn (was weiß ich schulermittler und wie die ganzen sachen heißen) und ich finde das irgendwie...übertrieben.

    Ich habe das Buch jetzt nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, dass die Autorin mit diesem Buch mahnend den zeigefinger vor minderjährgen Mädchen hebt...
    Naja, ich glaube, es wäre glaubwürdiger mit halbegs intelligenten Protagonisten...

    Wie ist das Buch denn geschrieben? Eher für jüngeren Publikum?

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  2. @Dunkelschön: Das Buch wird ab 13 Jahren empfohlen, daher ist die Schreibweise flüssig und leicht verständlich. Als unrealistisch würde ich es nicht bewerten, denn ich glaube schon, dass es noch genug junge naive Mädchen gibt, die mit dem Internet zu sorglos umgehen, bedenke mal alleine nur die zahllosen, manchmal schon recht zweideutig posierenden Mädels mit ihren Profilfotos bei den diversen Social-Plattformen, da findet man doch genug von?

    Da die Autorin auch als Kriminalbeamtin arbeitete und ihre Romane auf realen Fällen beruhen, denke ich schon, dass sie eine gewisse Ahnung von dem hat, was sie schreibt. Und wenn auch vielleicht nur ein ganz kleiner Anteil solche Naivität an den Tag legt, ist das schon schlimm genug.

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  3. Das Thema ist immer aktuell, man liest doch immer davon.

    Solch eine Lektüre sollte Pflichtlektüre in der Schule werden!!!

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