Rezension: Klaus Kordon - Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna

12.10.10

Titel: Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna
Autor: Klaus Kordon
Genre: Jugendbuch (ab 14 Jahren)
Verlag: Verlagsgruppe Beltz (Juli 2010)
ISBN:
9783407810717
Gebunden, 560 Seiten
Preis: 19,95 €
Leseprobe

(vielen Dank für die Bereitstellung an die Verlagsgruppe Beltz)

Kurzbeschreibung:
Während der Hundstage des Sommers 1890 wird der 16-jährige David mitten hineingerissen in die sozialen Konflikte des Deutschen Kaiserreichs. Eines Morgens stehen preußische Polizeibeamte vor der Tür und wollen ihn verhaften. In der Nacht wurden in Berlin staatsfeindliche Plakate geklebt und man hat am Tatort Davids Gymnasiastenmütze gefunden. Für die Vertreter der Staatsmacht ist der Fall klar: Sitzt sein Großvater, Frieder Jacobi, nicht im Gefängnis Plötzensee, weil er sich für mehr Demokratie eingesetzt hat? Ist sein Onkel August nicht als Armenarzt bekannt und Onkel Köbbe als gesellschaftskritischer Journalist?
David will nicht in Plötzensee landen. Denn wer weiß, ob Anna, die freche Berliner Göre, mit dem Herz auf dem rechten Fleck, auf ihn warten würde. Anna, die in einem dunklen Elendsquartier, dem "Schwalbennest", lebt und mit der Arbeit in einem Knopfladen ihre Geschwister durchbringen muss - sie ist das Mädchen seines Lebens...

Zum Autor:
Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo er heute als freischaffender Schriftsteller lebt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und zahlreich ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für seine Biographie über Erich Kästner, "Die Zeit ist kaputt", und den Roman "Das Krokodil im Nacken". Für sein Gesamtwerk erhielt er den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste zu Berlin und Brandenburg und den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Doch wohin jetzt? Auf die Straße zurück kann er nicht, dann sehen sie ihn. Hier stehen bleiben kann er aber auch nicht, in jeden Torbogen, jede Haustürnische werden sie spähen...Ach, wäre er doch nur weitergelaufen! Jetzt sitzt er in der Falle, denn die Haustür hinter ihm, die ist doch sicher abgeschlossen, jetzt, mitten in der Nacht. (Seite 300)

Rezension:
1890 in Berlin: Der 16-jährige David Rackebrandt lebt zusammen mit seiner Familie und geht aufs Gymnasium. Sein Großvater sitzt in Plötzensee ein, da er überzeugter Sozialdemokrat ist und auch auf die anderen Mitglieder der Familie hat die Staatsmacht ein Auge, da sie politisch sehr engagiert sind. David lernt die 15-jährige Anna Liebetanz kennen, ein Mädchen, das es bisher nicht leicht im Leben hatte.

Anna ernährt ihre ganze Familie vom kargen Lohn, den sie in einem Knopfladen verdient. Ihr Vater trinkt und ihre Mutter kümmert sich mehr schlecht als recht um ihre zahlreichen Geschwister. David und Anna verlieben sich trotz ihrer Standesunterschiede. Doch dann wird David beim Plakatekleben erwischt, die staatskritische Texte enthalten, die sein Onkel Jacob, genannt "Köbbe", geschrieben hat, und David wird des Gymnasiums verwiesen.

Doch das kommt ihm eigentlich gerade recht, denn er will wie sein verstorbener Vater und inhaftierter Großvater Zimmermann werden und mit Anna eine gemeinsame Zukunft aufbauen.

"Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna" ist der Abschluss einer Trilogie des Autors Klaus Kordon, bei dem man die Vorgängerromane aber nicht zwingend gelesen haben muss. Bildreiche und detailhafte Beschreibungen verdeutlichen dem Leser die Zeit um 1890 in Berlin und macht sie regelrecht lebendig. Der Roman selbst ist aus der Sicht des neutralen Beobachters geschrieben.

David, die Hauptfigur, macht während des gesamten Buches eine sehr rasante Entwicklung durch. Vom Gymnasiasten, den so gar nichts in die Schule drängt, weil er sich dort nicht anerkannt fühlt und von manchen Lehrern vorgeführt, die ihm seine politisch engagierte Verwandtschaft vorwerfen, zum jungen Mann, der selbstbewusst ist und in seinem Zimmermanns-Beruf aufgeht.

Eindrucksvoll geschildert und sehr gut gefallen hat mir die Problematik der Standesunterschiede dieser Zeit: Auf der einen Seite die Neureichen, die mit ihrem Geld und Reichtum protzen und auf der anderen Seite die soziale Unterschicht, die von der Hand in den Mund leben muss. Anschaulich und zur Geschichte passend war auch die vielfache Anwendung des Berliner Dialekts in der wörtlichen Rede.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist in verschiedenen Orangetönen gehalten, eine Schwarz-Weiß-Abbildung eines jungen Mannes (David) im Vordergrund sticht davon ab. Im Hintergrund ist ein Straßenzug mit alten Häusern und Gaslaternen zu sehen.

Fazit: "Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna" lässt deutsche Geschichte lebendig werden. Ein Lese-Muss für alle Leser, die sich für die Zeit des Deutschen Kaiserreichs und eine spannende Familiengeschichte interessieren.

Wertung: 5 von 5 Punkten

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