Rezension: Wiebke Lorenz - Allerliebste Schwester

14.6.10

Titel: Allerliebste Schwester
Autorin: Wiebke Lorenz
Genre: Belletristik
Verlag: Blessing (März 2010)
ISBN:
9783896674104
Gebunden, 240 Seiten
Preis: 16,95 €

Autorenwebsite
(vielen Dank für die Bereitstellung an den Blessing Verlag)

Kurzbeschreibung:
Drei Jahre ist es her, dass Eva ihre Zwillingsschwester verlor, unter Umständen, die nie ganz aufgeklärt worden sind. Danach nahm Evas Leben eine von vielen als ungeheuerlich empfundene Wendung: Sie heiratete den Witwer, den Ehemann der verstorbenen Marlene. Allmählich haben sich die Menschen in ihrer Umgebung an dieses Arrangement gewöhnt. Doch ihr selbst kommt es wie ein Frevel vor, und die Totgeburt, die sie jetzt erleidet, empfindet sie als Strafe dafür. Während ihr Mann diese Tragödie als bloßes Malheur behandelt, wird Eva davon aus der Bahn geworfen. Sie flüchtet sich in Erinnerungen an die vermeintlich glückliche Kindheit mit ihrer Zwillingsschwester.
Immer öfter erscheint ihr Marlene in verstörend realen Tagträumen. Eva droht allen Halt zu verlieren, bis eines Tages in der Buchhandlung, in der sie als Aushilfe arbeitet, ein Mann auftaucht, der ihre Schwester gekannt hat. Auf sonderbare Weise fühlt sie sich zu diesem Unbekannten hingezogen und glaubt, dass er ihr helfen kann, das Rätsel um Marlenes Tod zu lösen.

Zur Autorin:
Wiebke Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, studierte in Trier Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft und lebt heute in Hamburg. Sie arbeitet journalistisch u. a. für Cosmopolitan und stern.de und schreibt Drehbücher für TV-Filme. Bereits mit 26 Jahren debütierte sie als Schriftstellerin und veröffentlichte seitdem mehrere Bücher. Ihr Roman Was? Wäre? Wenn? (2003) war bei Kritik und Publikum höchst erfolgreich.

So viel trinkt Eva normalerweise nicht. Nicht mehr, sie weiß, dass Alkohol die Tür zu ihren Abgründen aufstößt. Die muss verschlossen bleiben, musste immer fest verschlossen bleiben in den vergangenen Jahren, damit Eva nicht hindurchfällt, durch das feine Gitternetz ihres neuen Lebens. (Seiten 49/50)

Rezension:
Wiebke Lorenz schafft es, mit "Allerliebste Schwester" auf 240 Seiten ein gut recherchiertes und detailliertes Psychogramm der Protagonistin Eva zu zeichnen. Die düstere Stimmung bleibt über das ganze Buch erhalten und der Leser erlebt Evas langsamen Absturz in die Schizophrenie hautnah mit.

Spannung ist bei mir beim Lesen nicht aufgekommen, auch das Ende war nicht wirklich verblüffend. Daher lies mich das Buch etwas unbefriedigt mit dem Ausgang der Geschichte zurück, da ich mir hiervon mehr versprochen hatte.

Trotzdem erzeugt das Buch eine hohe Emotionalität und die Hintergrundgeschichte der beiden Zwillingsschwestern Eva und Marlene ist sehr bildhaft geschildert. "Allerliebste Schwester" ist ein gelungenes Buch, man muss es aber nicht unbedingt gelesen haben.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover wird von einer Apfelhälfte dominiert, an der Blut heruntertropft. Ich interpretiere diese Apfelhälfte als die überlebende Zwillingsschwester Eva, was hinsichtlich der Geschichte gut passt.

Fazit: Gelungenes Psychogramm mit einer glaubhaften Protagonistin, die sich schuldig am Tod ihrer Schwester fühlt. Das Ende ist etwas zu vorhersehbar, was ich schade finde.

Wertung: 3 von 5 Punkten

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