Donnerstag, 11. Februar 2016

Karin Slaughter - Pretty Girls

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Titel: Pretty Girls
Autorin: Karin Slaughter
Genre: Thriller
Übersetzung: Fred Kinzel
Verlag: HarperCollins (07.12.2015)
ISBN: 978-3-95967-986-2 (eBook, 500 Seiten)
ASIN: B00YP13520 (Kindle Edition)
Preis: 18,99 €
Papierformat: Gebundene Ausgabe für 19,90 €
Bezugsquelle: Kauf
März 1991. Nach einer Party kehrt die 19-jährige Julia nicht nach Hause zurück. Die eher halbherzig geführten Ermittlungen laufen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern der Vermissten werden je mit dem Verlust fertig. Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia. Und die frisch verwitwete Claire ist vollkommen verstört, als sie im Nachlass ihres verstorbenen Mannes brutales Filmmaterial findet, in dem Menschen ganz offensichtlich vor der Kamera auf grausame Weise ermordet werden. Eines der Opfer glaubt sie zu erkennen. Doch was hatte ihr verstorbener Mann damit zu tun? Wer war der Mensch wirklich, den sie über zwanzig Jahre zu kennen glaubte? Claire begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche, die sie immer dichter an eine unfassbare Wahrheit führt. Und an den eigenen Abgrund... *Quelle*
Zur Autorin:
Die internationale Nummer-1-Bestsellerautorin Karin Slaughter ist eine der weltweit populärsten und gefeiertsten Schriftstellerinnen. Ihre Bücher wurden in 33 Sprachen übersetzt und haben sich insgesamt über 30 Millionen Mal verkauft. Ihr Gesamtwerk beinhaltet die Grant County- und Will Trent-Reihen, außerdem Cop Town. Stadt der Angst, das für den renommierten Edgar-Krimipreis nominiert wurde, sowie den psychologischen Thriller Pretty Girls. Karin Slaughter stammt aus Georgia und lebt zurzeit in Atlanta.

Meinung:
Vor 24 Jahren wurde die damals 19-jährige Studentin Julia Carroll entführt und nie wieder gefunden. Ihre beiden jüngeren Schwestern Lydia und Claire und auch die Eltern Sam, der sich später das Leben nimmt, und Helen kommen nie über diesen schlimmen Verlust hinweg. Während Lydia sich in einer intensiven Drogensucht verliert, stürzt sich Claire in die Ehe mit Paul Scott, einem angehenden, später sehr erfolgreichen Architekten.

Als dieser in der Gegenwart im Beisein Claires erstochen wird und stirbt, bricht für sie erneut eine Welt zusammen. Doch dann findet Claire auf seinem Rechner sogenannte Snuff-Videos. Die Polizei hält die Filme für falsch, doch Claire ist sich da keineswegs sicher, denn das in dem Video gefilmte Mädchen hat auffallende Ähnlichkeit mit der momentan vermissten Anna Kilpatrick. Zusammen mit ihrer Schwester Lydia, die ihre Sucht inzwischen überwunden hat und alleinerziehende Mutter der 17-jährigen Dee ist, versucht sie Licht ins Dunkel zu bringen, was Paul mit diesen Filmen zu tun hatte, und die beiden bringen sich dadurch in größte Gefahr.

Karin Slaughter wurde vor allem durch ihre Grant County-Reihe bekannt, von der ich allerdings nur die ersten beiden Bände gelesen habe, die mich begeistern konnten. Mit Pretty Girls legt sie nun einen Einzelband vor, der "thrilliger" nicht sein könnte.

In 3 verschiedenen Perspektiven erzählt Karin Slaughter die Geschichte: Zum einen wird aus Claires Sicht berichtet, die ihren Mann bei einem Raubüberfall verliert, um ihn trauert und dann mit den fürchterlichen Videos auf seinem Computer konfrontiert wird. Ihr Vertrauen in ihn wird aufs Tiefste erschüttert, denn nach 18 Jahren Ehe dachte sie, ihn gekannt zu haben, was sich aber als Trugschluss erweisen könnte.

Desweiteren wird ein Schwerpunkt auf ihre Schwester Lydia gelegt, die in ihrer Jugend schwer drogenabhängig war und die mit Claires Mann Paul eine unangenehme Episode verbindet. Mittlerweile ist sie aber im Leben gefestigt und Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie sieht ihre Schwester Claire nach fast 20 Jahren wieder, beide söhnen sich aus und Lydia hilft ihr bei ihrer Suche nach der Herkunft der Filme.

Als 3. Perspektive fungiert ein Brief, dessen Abschnitte immer wieder eingestreut werden, den Claires und Lydias Vater Sam an seine verschwundene Tochter Julia geschrieben hat. Darin schildert er berührend, wie die Familie nach ihrem Verschwinden langsam aber sicher auseinanderbricht und wie jeder mit seinen Gefühlen versucht umzugehen oder auch sie zu verdrängen.

Karin Slaughter versteht es, den Leser während der fortschreitenden Handlung immer wieder in eine Sackgasse laufen zu lassen und mit geschickten Wendungen zu verblüffen. Dass die Filme und auch Julias Verschwinden miteinander zusammenhängen, wird zwar relativ schnell klar, doch das ganz große Ausmaß dahinter erst nach und nach. Fast keinem Akteur sollte man hier sein Vertrauen schenken, es könnte durchaus enttäuscht werden! Für zartbesaitete Leser empfehle ich die Lektüre nicht, da die erwähnten Filme in aller Härte und Gewalttätigkeit sehr detailliert geschildert werden.

Am Ende wird dem Leser noch ein Showdown präsentiert, der es in sich hat und die komplexe Geschichte wird schlüssig aufgelöst. Nach diesen wirklich spannenden Lesestunden werde ich mich sicherlich doch demnächst mit Karin Slaughters anderen Büchern beschäftigen.

Fazit:
Pretty Girls ist Thrill auf hohem Niveau, aber enthält auch viele explizite Szenen und Beschreibungen, die nichts für jedermann sein dürften. Geschickte Wendungen können verblüffen und machen den Roman zu einem spannenden Leseerlebnis.

Wertung: ★★★★★

Top Ten Thursday #247

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Jeden Donnerstag gibt es bei Steffis Bücher Bloggeria den sogenannten "Top Ten Thursday", an dem verschiedene Buchfragen beantwortet werden dürfen. Da mache ich nun auch mal gerne mit, aber wahrscheinlich nicht jede Woche, das kommt auf die Fragen an ;)

Thema vom 11.02.2016:
10 Bücher aus dem Rowohlt Verlag

Die 10 Bücher haben sich schnell gefunden. Einige davon sind bereits gelesen und rezensiert, andere nicht. Für weiteres Stöbern sind die Cover mit Amazon verlinkt.

Rainer Löffler - Blutsommer (REZENSION)
David Safier - 28 Tage lang (REZENSION)
Karen Sander - Schwesterlein, komm stirb mit mir (REZENSION)
Stephan M. Rother - Ich bin der Herr deiner Angst (REZENSION)
Jennifer Teege & Nikola Sellmair - Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen (REZENSION)
Ursula Poznanski - Fünf (REZENSION)
Paul Mendelson - Die Unschuld stirbt, das Böse lebt
Joner Storesang - Seelenschwarz
Achim Freudenberg - Das Mädchen auf der anderen Seite
Ryan Gattis - In den Straßen die Wut


Dienstag, 9. Februar 2016

Petra Johann - Schatten der Schuld

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Titel: Schatten der Schuld
Autorin: Petra Johann
Genre: Krimi
Verlag: Blanvalet (18.09.2015)
ISBN: 978-3-641-16051-7 (eBook, 544 Seiten)
ASIN: B00XRC5U3K (Kindle Edition)
Preis: 8,99 €
Papierformat: Taschenbuch für 9,99 €
Bezugsquelle: skoobe
Bonus: Leseprobe
Drei Jahre ist es her, seit Kriminalkommissarin Charly Rumor ihren besten Freund und ehemaligen Kollegen Mick das letzte Mal gesehen hat. Damals jagten sie den sogenannten Axtmörder, der drei Frauen ermordet hatte. Die Ermittlungen endeten traumatisch, Mick musste den Polizeidienst quittieren.
Als im Stadtwald eine Frauenleiche gefunden wird, ist Charly sicher: Der Axtmörder hat wieder zugeschlagen. Sie ahnt, dass sie ihn nur mit Micks Hilfe enttarnen kann, doch sie hatte gute Gründe, seinerzeit den Kontakt abzubrechen. Wäre da nicht die Chance, vergangenes Unrecht wieder gutzumachen. *Quelle*
Zur Autorin:
Dr. Petra Johann, Jahrgang 1971, ist Mathematikerin, promovierte in Aachen, arbeitete im Forschungsbereich und in der Software-Branche und schreibt seit mehreren Jahren. Für ihre Krimirecherche führte sie u.a. ausführliche Gespräche mit Kriminalpolizisten und Rechtsmedizinern. Schatten der Schuld ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Meinung:
Im Stadtwald von Aachen wird die Leiche von Ruth Kettler gefunden, die mit einer Axt erschlagen und deren Haare abgeschnitten wurden. Dem Ermittlerteam von Frank Quirin wird schnell klar, dass es einige Parallelen zu einem Serienmörder von vor 3 Jahren gibt, der nie gefasst werden konnte. Charlotte Rumor und Neuling Benny Kämpfer nehmen die Ermittlungen auf und es scheint schneller als gedacht der vermeintliche Täter festzustehen. Doch dieser weist ein wasserdichtes Alibi auf.

Charlotte muss sich außerdem mit ihrem ehemaligen Kollegen Mick Harting auseinandersetzen. Dessen Frau Katja war das letzte Opfer des Mörders 3 Jahre zuvor. Charlotte und Mick waren bis dahin beste Freunde, doch nach der Tat quittierte Mick den Dienst und Charlotte hatte gute Gründe, den Kontakt zu ihm abzubrechen.

Schatten der Schuld erzählt einen Kriminalfall, bei dem der Prolog bereits viel verspricht, doch war mir an einigen Stellen die Detailverliebtheit, die sich bei einer Anzahl von 544 Seiten etwas in die Länge zog, ein wenig zuviel des Guten.

Die beiden Ermittler, Charlotte (genannt Charly) Rumor und Benny Kämpfer, haben mir sehr gut gefallen. Charly ist eine im Beruf ehrgeizige Person, schottet sich privat aber sehr ab und wirkt eigenbrötlerisch. Ihr Verhalten wird dem Leser später aber nähergebracht, denn sie musste in der Vergangenheit eine große Enttäuschung hinnehmen, sodass sie seitdem anderen Personen kein großartiges Vertrauen mehr entgegenbringen kann.

Benny Kämpfer hat es als Neuling in der Mordkommission nicht leicht. Durch sein noch sehr jugendliches Aussehen wird er von einigen Kollegen nicht so ganz für voll genommen, kniet sich aber mächtig in den Mordfall hinein und glänzt mit kluger Kombinationsgabe.

Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet, weisen ihre eigenen Ecken und Kanten auf und bleiben anzahlmäßig übersichtlich. Jeder von ihnen scheint sein eigenes kleines Geheimnis mit sich herumzutragen, sodass der Täter nicht schnell ermittelt ist. Vor allem das Schicksal der beiden Schwestern Alexa und Nellie kann den Leser durchaus berühren.

Petra Johann legt in ihrem Kriminalroman viel Wert auf die Ermittlungsarbeit der Mordkommission, was für mich auch zu diesem Genre dazugehört, aber leider war mir einiges davon dann doch zu detailliert, was man auch ein wenig straffer hätte zusammenfassen können. Da muten dann einige Szenen doch etwas zu langatmig an, was auf Kosten der Spannung geht. Das Ende bzw. die Auflösung des aktuellen Falles bzw. der Mordfälle 3 Jahre zuvor konnten mich dennoch überraschen und auch überzeugen.

Fazit:
Schatten der Schuld ist ein Kriminalroman, der viel Wert und Zeit auf die Ermittlungsarbeit der Mordkommission legt, sich aber auch gelungen mit dem Privatleben seiner Charaktere beschäftigt. An manchen Stellen etwas zu ausschweifend, aber im Großen und Ganzen ein gut unterhaltendes Buch.

Wertung: ★★★★☆